Hello Germany! 🔗
..und plötzlich ist es Herbst..
Wir sind wieder zu Hause angekommen und die zwischenvermietete Wohnung hat unsere Abwesenheit bestens überstanden.
Dieser Frühling da draußen fühlt sich für uns übrigens wie Herbst an. Gestern noch über 30 Grad und heute zwar noch schön sonnig, aber morgens und abends schon richtig kalt. Gut, dass dazwischen noch ein ganzer Sommer liegen wird.
Das Ende dieser großen Reise bedeutet nun auch das Ende unseres Reis(e)blogs. Hoffentlich hat es euch ein bisschen Spaß gemacht, uns zu begleiten. Nebenbei haben wir uns damit natürlich vor allem eine tolle Erinnerung für uns selbst geschaffen. Ein Reisetagebuch hätten wir vermutlich irgendwann schleifen lassen, durch den Blog haben wir uns halbwegs regelmäßig am Riemen gerissen, um euch auf dem Laufenden zu halten. Zum Abschluss haben wir noch eine kleine Statistik für euch zusammengestellt.
Schön, dass ihr uns ein bisschen auf unserer Reise begleitet habt!
| how much | is the fish |
|---|---|
| 0 | ernstzunehmende Verletzungen oder Unfälle - da haben wir richtig Glück gehabt! |
| 1 | neue Kamera gekauft, weil die alte während der ersten Nasenaffen-Sichtung plötzlich kaputt gegangen ist |
| 2 | Friseurbesuche. Frans für 10€ in Malaysia (relativ teuer, aber gut) , Stina für 1,30€ in Sri Lanka (relativ günstig, aber schief) |
| 3 | Deos nachgekauft, Prädikat besonders stark |
| 4 | Länder bereist: Singapur, Malaysia, Vietnam, Sri Lanka |
| 6 | Affenarten identifiziert: Orang-Utan, Nasenaffe, Silberner Haubenlangur, Langschwanzmakake, Ceylon-Hutaffe, grauer Langur |
| 25 | Orte/Städte, in denen wir übernachtet haben |
| 81 | Tage unterwegs, vom 13.01.2025 bis 04.04.2025 |
| 60-100 | geschätzte Anzahl an Mückenstichen, pro Person, trotz Deet-Spray |
| 1.000 | so sehr freuen wir uns drauf, euch alle wiederzusehen! |
Negombo 31.03.-04.04.2025 🔗
..Wie viel Platz ist noch in den Rucksäcken?..
Unsere Sri Lanka -Tour und gleichzeitig auch unsere gesamte große Riesenreise beenden wir in Negombo. Wenn ihr das hier lest, sitzen wir schon wieder in München. Übrigens auch, wenn ihr das hier nicht lest :)
In Negombo schwingen wir uns nochmal auf Räder, um die Gegend zu erkunden. Wir fahren am riesigen Fischmarkt vorbei, an dem auf einer großen Fläche Fisch verkauft und auf einer noch größeren Fläche Fisch getrocknet wird. Es riecht leider sehr stark danach und wir haben uns die größte Mittagshitze für unsere Tour herausgesucht, sodass wir nicht mal für ein Foto absteigen. Im Internet finden sich zahlreiche Bilder, falls jemand das mal nachschauen will.
Außerdem besuchen wir mehrmals verschiedene Supermärkte, um die freien Ritzen in unseren Rucksäcken mit gemahlenen Gewürzen und Zimtstangen zu füllen. Wer uns in der nächsten Zeit mal besuchen kommt, wird vermutlich ein Gericht mit Curry vorgesetzt bekommen, oder eine Prise Zimt untergejubelt bekommen. Unser Vorrat sollte für ein paar Jahrzehnte reichen.
Wir machen einige Abschiedsspaziergänge am Strand, gehen ein letztes Mal Rice & Curry essen, trinken die letzten Kokosnüsse leer und genehmigen uns ein finales Frühstück bestehend aus Dosa (Pfannkuchen) und Dhal (Linsen), das wir mittlerweile routiniert mit den Fingern essen können. An unserem letzten Abend fängt es zum ersten Mal seit drei Wochen wieder an zu regnen. Der Monsun kündigt sich an, da fällt einem der Abschied nicht ganz so schwer.
Wir lassen auch unsere gesamte Reise Revue passieren. Was war das beste? Was hat uns überrascht? Was nehmen wir mit in den Alltag? Aber auch: Haben wir eigentlich einen neuen Bundeskanzler? Wo ist der Haustürschlüssel? Ist das da Schimmel an meinem Rucksack? Auf viele dieser Fragen haben wir (noch) gar keine klare Antwort. Sicher werden wir viele Eindrücke lange behalten und - sorry schon mal - bestimmt auch viel davon erzählen. Zumindest sind wir uns schnell einig, was wir nicht vermissen werden: die Mücken!
Kurunegala 30.-31.03.2025 🔗
..Wie wär's mal mit ner Bergbesteigung?..
So langsam geht unsere große Reise dem Ende entgegen und so machen wir uns vom Strand in Trincomalee auf wieder in Richtung Westküste, wo die Sri Lanka - Route vor einigen Wochen begann. Dafür buchen wir zum ersten Mal erste Klasse -Tickets für den Zug, da sich Klimaanlage bei den momentanen Temperaturen über 30 Grad einfach richtig anhört. Die Klima ballert dann auch einen Strom eiskalter Luft durchs Abteil, die Sitze sind unbequem und der Zug ruckelt so stark auf den Gleisen, dass wir uns aktiv erinnern müssen, dass Züge sehr sichere Verkehrsmittel sind. Außerdem geht die Fahrt erst mit ordentlicher Verspätung los und dann stehen wir wieder mal eine Ewigkeit in irgendeinem Dorf, um auf den verspäteten Gegenzug zu warten. Ansonsten wartet die Fahrt aber mit schöner Aussicht über Graslandschaften und Reisfelder auf. Selbst Affen und Pfauen kann man beobachten, während wir uns langsam voranruckeln.
Abends erreichen wir Kurunegala, das wir uns aufgrund der guten Lage für einen Zwischenstopp herausgesucht haben. In der Nähe des Bahnhofs finden wir ein Lokal fürs Abendessen, in dem wir die einzigen fremdländischen Gäste sind. Jeder Kellner kommt mindestens einmal im Laufe des Abends an unseren Tisch, um einen Plausch zu halten. Man deckt uns den Tisch mit einer Überzahl leerer Teller und Gläser ein. Wir behaupten, dass uns ein Teller und ein Glas pro Person ausreichen, aber das wird nicht akzeptiert. Hier ein Teller für den Reis, hier der Reis, hier eine Platte für die Pizza, dann hier noch die Pizza, ... Wir geben uns geschlagen und lassen sie ihre Service präsentieren, Hauptsache es gibt was zu Essen nach dem langen Tag! Am nächsten Morgen besteigen wir dann mal wieder einen Hügel, mit großer Buddha-Statue obendrauf. Wir merken selbst, dass sich das wiederholt, aber man soll ja das tun, was man gut kann. Und das ist bei uns eben trotz Hitze auf Berge klettern und relativ bewegungslos an schönen Orten herumhängen. Also ihr kennt das Spiel: Es ist heiß, wir schwitzen sehr, wir fragen uns, warum wir das eigentlich machen. Aber es ist beruhigend, dass die Muskeln noch funktionieren, nachdem wir so lange am Strand gelümmelt haben.
Mittags geht's dann auch schon weiter nach Negombo - zum ersten Mal in einem klimatisierten Kleinbus. Bisher vielleicht die angenehmste Fahrt in diesem Land!
Trincomalee 23.-30.03.2025 🔗
..Hier bleiben wir!..
Nach Hitze-Hunde-Hauptstraße in Habarana ist uns als nächstes wieder nach etwas entspannterem. Dafür fahren wir nach Trincomalee, an die Ostküste Sri Lankas, wo weniger Buddhisten und Christen, dafür hauptsächlich Hinduisten und Moslems leben. Osten und Norden der Insel waren lange Zeit vom Bürgerkrieg gebeutelt und sind dem Rest des Landes bezüglich Tourismus noch etwas hinterher. Wir sind gespannt!
Nilaveli (Trincomalee) 23.-25.03. 🔗
Im Bus nach Trincomalee lerne ich eine Studentin kennen, die uns am Busbahnhof angekommen hilft den richtigen Stadtbus zu finden, der uns zu unserer Unterkunft nach Nilaveli bringt, einen kleinen Vorort. In diesem Bus sieden wir dann erstmal 40min vor uns hin, bis es losgeht. Die Luft steht und wir sitzen nur und starren vor uns hin, während der Schweiß an uns herunterläuft. Ab und zu kommt eine kleine Brise von draußen herein, die ein klein wenig kühlt, aber bestialisch nach einer Mischung aus getrocknetem Fisch und Bahnhofstoilette stinkt. Abwechselnd wünschen wir uns, dass sie aufhört und wiederkommt.
Irgendwann geht die wilde Busfahrt los und wir schaffen es in der Nähe unserer Unterkunft auszusteigen. Es ist leer, sehr leer sogar. Wir sind die einzigen im "Beach Resort" und beinahe die einzigen am weitläufigen Sandstrand. Das ist eine interessante Erfahrung, denn wir merken, dass wir gar nicht so ganz alleine sein wollen. Ein bisschen was los, ein weiterer besetzter Tisch im Restaurant, sogar ein paar kartoffelige Touristen wären eigentlich ganz nett. Dass das "Resort" schon eine ganze Weile ohne Besucher auskommt, beweist auch die breite Palette an Fauna, von der wir dort umgeben sind. Die erste Nacht verbringen wir mit der Jagd auf Mücken, um 2:30h steht der Zähler auf 8. Dann kommt noch eine riesige Kakerlake dazu, die wir nach großem Geschrei und Getümmel ebenfalls besiegen. Als wir den fehlenden Schlaf am nächsten Morgen am Pool nachholen wollen, stören wir ein Bataillon Ameisen, das sich in der Auflage der Liege eingenistet hat. Der Strand in Nilaveli ist wirklich toll und ein Geheimtipp außerhalb der ausgetretenen Touristenpfade. Da allerdings Nebensaison ist, ziehen wir nach 2 Nächten ins belebtere Uppuveli um, da haben wir kürzere Wege und eine breitere Auswahl an Unterkünften und Restaurants.
Uppuveli (Trincomalee) 25.-30.03. 🔗
Wir sparen uns mal wieder das Tuktuk und springen in den öffentlichen Bus. Da dieser schon etwas spät dran ist, wird nicht mehr gebremst, sondern nur mal mehr mal weniger Gas gegeben. Wir krallen uns fest und als ich dem Bushelfer signalisiere, dass wir hier jetzt aussteigen möchten, werden erst unsere Rucksäcke und dann wir regelrecht hinausgeworfen. Draußen dürfen wir dann also erstmal ein paar Meter zurücklaufen und unser Gepäck einsammeln. So läuft das, wenn der Busverkehr privat betrieben wird: Fährt man zu langsam, wird man vom nächsten Bus überholt und der sammelt einem dann all die zahlenden Fahrgäste vor der Nase weg. Daher wird für Banalitäten wie das Ein- und Aussteigen von Passagieren keine Zeit verplempert.
In Uppuveli gefällt es uns dann so gut, dass wir Nacht um Nacht verlängern. Die Kombi aus Nebensaison und touristischer Infrastruktur ist gerade genau das, was uns glücklich macht.
In der Stadt Trincomalee selbst schauen wir uns einen hinduistischen Tempel an, der von Rehen umgeben ist. Wir gondeln mit dem Fahrrad durch die Straßen; Kinder winken, Erwachsene grüßen und in jedem Laden will man wissen, wo wir herkommen und ob uns Sri Lanka gefällt. Zum ersten Mal seit Wochen bekommen wir außerdem einen richtigen Kaffee aus einer Siebträgermaschine. Seit wir in Sri Lanka sind, trinken wir mit heißem Wasser aufgegossenes Kaffeepulver: Man gewöhnt sich dran, aber wir werden es in Deutschland nicht vermissen. Der Eingang zu besagtem Café führt mitten durch ein Eisenwarengeschäft und dann eine Treppe hinauf. Die zwei Jungs, die den Laden vor kurzem eröffnet haben, freuen sich riesig über unseren Besuch. Sie zeigen uns ihre Kunst und führen uns auf die Dachterrasse, die sie demnächst ausbauen wollen. Wir geben ihnen den Tipp in ihrem Laden Postkarten anzubieten, die gibt's nämlich bisher kaum zu kaufen. Ihre Augen leuchten und sie versprechen in einer Woche die ersten Postkarten im Shop stehen zu haben.
Ansonsten bewegen wir uns täglich auf den gleichen Wegen zwischen unserer Hütte, dem Strand und drei kleinen Restaurants. Alle Lokale, die wir hier besuchen, sind Familienbetriebe und werden von 1-3 Personen geführt. Das Essen ist hervorragend und momentan gibt es nicht viele andere Gäste, manchmal sind wir die einzigen. Nach einem Tag schon kennt man sich und grüßt beim Vorbeigehen. Wir versuchen alle ungefähr gleich häufig zu besuchen. In einem der Restaurants springt der Besitzer/Kellner/Koch nach unserer Bestellung immer aufs Moped und verschwindet kurz. Dann kommt er mit einer Tüte vom Markt und/oder Supermarkt zurück und macht sich ans Kochen. Ja, warum eigentlich nicht?
Außerdem in Trincomalee:
- Wir erweitern unsere Fotoserie "Tiere am Strand".
- Ich werde von einem ausparkenden Tuktuk angefahren. Bis auf einen großen Schreck und eine kleine Schürfwunde passiert aber nichts.
- Unsere Nachbarn haben riesige Ziegen, die uns abends in und morgens aus dem Schlaf meckern.
Habarana 20.-23.03.2025 🔗
..Hunde, Aussicht und Hunde..
Habarana ist eine Ansammlung von kleinen Läden und hochpreisigen Restaurants entlang einer Hauptstraße, dazu zahlreiche Unterkünfte, viele davon nicht ganz so günstig. Die meisten Touristen kommen in Tourbussen, steigen in Jeeps um für eine Safari, besuchen die benachbarten Städte ihrer Tempel und Geschichte wegen und besteigen mindestens einen der beiden großen Felsen. Uns ist weder nach Tierbeschau noch nach Kultur, wir beschränken uns auf das, was wir mittlerweile gut können: In großer Hitze einen Felsen beklettern. Diesmal ist "Pidurangala" dran. Und da wir Sonnenaufgang bereits auf dem Adams Peak hatten (und faul sind), wählen wir diesmal den Sonnenuntergang. Wir lassen uns also am späten Nachmittag zum Fuße des Felsens fahren und machen uns auf Besucherströme gefasst. Das Wetter ist jedoch auf unserer Seite: Es regnet, bis wir angekommen sind, dann hört es langsam auf, als wir mit der Wanderung beginnen. Genau richtig, um möglichst viele andere abzuschrecken. Zuerst geht es eine Menge steiniger Stufen bergauf (das kommt uns seltsam vertraut vor), dann kommen große Felsbrocken, über die wir klettern müssen; wunderschön rutschig vom Regenguss. Wir drücken, schieben und ziehen uns hoch, bis wir eine kleine Freifläche erklommen haben, die uns eine fantastische Aussicht auf Sigiriya, den Löwenfelsen, und die majestätische Umgebung beschert. Wie kommen wir hier eigentlich wieder runter, insbesondere nachdem die Sonne untergegangen ist? Das soll unser Problem in einer Stunde sein, jetzt genießen wir erstmal die Aussicht. Und geben acht, dass unsere Taschen nicht von den frechen Affen auf den nächsten Baum entführt werden. Zwei haben sie schon eingesammelt und aufgehangen, aber wer weiß, wie groß die Kollektion werden soll.
Es sieht so aus, als gäbe es noch eine weitere Plattform weiter oben, aber ob's das braucht, bei den glitschigen Steinen? Die Neugier siegt und als wir oben sind, überkommt uns Begeisterung. Ein riesiges, flaches Plateau macht den Rundumblick kilometerweit über die Ebene frei. Frans kann mit dem Fotografieren kaum aufhören und ich muss mit seinem Profil fürs obligatorische Selfie-für-den-Blog vorlieb nehmen. Die Pfauen schreien durch die Landschaft, ebenso wie ein paar angeheiterte Spanier, ansonsten ist es beeindruckend ruhig. Nach einem fantastischen Sonnenuntergang brechen die wenigen Touristen, die heute hier sind, in Windeseile auf. In einer richtigen Menschenkette klettern und rutschen wir allesamt möglichst schnell über die ersten, gefährlicheren Abschnitte. Nachdem das letzte Tageslicht von den umliegenden Büschen verschluckt wurde, werden die Handylichter angeschaltet und wir schlängeln uns weiter bergab. Ab und zu rutscht mal jemand aus, ansonsten kommen aber alle heil unten an. Nur die Klamotten sind mal wieder reif für die Waschmaschine - am besten direkt mit ihren Besitzern..
Ansonsten ist auch Habarana wieder ausgesprochen Fußgänger-feindlich nach der 3-H-Formel: Heiß, Hauptstraße, Hunde. Und leider nicht die bisher schon gut bekannten Straßenhunde, die sich schön um sich selbst kümmern, sondern jene, die vorbeilaufende Menschen höchst suspekt finden und anbellen. Nach Anbruch der Dunkelheit machen sie das gerne auch im Rudel. Alternativ auch solche, die schwanzwedelnd vor einem herumspringen und spielen wollen. Da sind wir einfach nicht die richtige Wahl.. Bei einem unserer wagemutigen Spaziergänge zu einem See in der Nähe kommt mir eine menschenleere Ecke besonders furchteinflösend vor; in den verlassenen Häusern am Wegesrand sehe ich gedanklich eine wilde Meute auf uns lauern. Ich finde einen dicken Ast und drücke ihn Frans in die Hand. "Und was soll ich dann damit machen?" "Na, draufhauen, wenn einer kommt!" Nach wenigen, hundefreien Metern kommen wir an einem belebten Restaurant vorbei und die Bewaffnung wird Frans etwas unangenehm, also entsorge ich das Holz in der nächsten Böschung. Better safe than sorry!
Auch in Habarana:
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Wenn wir für einen Spaziergang unsere Unterkunft verlassen, kommt immer das kleine Nachbarsmädchen an die Straße gelaufen und winkt und ruft uns zu. An einem Tag drückt sie uns sogar ein paar Blümchen in die Hand.
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Unsere englischen, schon etwas älteren Nachbarn in der Unterkunft LIEBEN den Hund der Besitzer einfach. Sie ruft ihn immer minutenlang "Good GIRL!! Who's a GOOD girl?" und er versucht dem Hund mindestens genauso lange mit monotonem "No, No, No, No, No" Manieren bezubringen. Wir LIEBEN unsere Nachbarn nicht.
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Die Mücken hier sind groß wie Elefanten.
Kandy 18.-20.03.2025 🔗
..Wenn das beste in der Stadt der Domino's ist..
Die Abreise aus Nallathaniya beginnt mit einem Bus zum Bahnhof, der 25 Minuten vor seiner regulären Abfahrtszeit an uns vorbeirauscht. Also gut , dann eben mit dem Tuktuk. An der Bahnstation dann eine lange Schlange am Ticketschalter. Nach einiger Zeit sickern Infos durch die Wartenden, dass es an einem anderen Schalter im Bahnhofsgebäude noch Erste Klasse Tickets gäbe. Ich glaube zwar nicht dran, aber gehe trotzdem mal rein schauen, während Frans die Stellung in der Draußenschlange hält. Leider sind, wie erwartet, alle Sitzplatztickets für erste und zweite Klasse ausverkauft - aber eine Reservierung in der dritten Klasse kann er mir für drei Euro das Ticket anbieten. Ich frage mich und ihn ungläubig, ob ich denn damit auch wirklich einen eigenen Sitzplatz bekomme? Er sagt ja, daher zücke ich den Geldbeutel. Ich weiß zwar nicht, was ich mir unter dritter Klasse vorzustellen habe, aber das Wort "Sitzplatz" klingt verführerisch. Die nächsten Stunden bis nach Kandy dürfen wir dann tatsächlich jeder auf einem eigenen Sitzplatz verbringen. Diese sind zwar schmal und ungepolstert, aber tausend mal besser als sich in die zweite Klasse zu drücken und dort stundenlang zu stehen. Merke: Kannst du einen Sitzplatz haben, nimm ihn, ganz egal in welcher Klasse.
Die nächsten 48 Stunden können wir uns dann eigentlich sparen. Kandy rangiert in unserer Tolle-Orte-Liste in der Nähe von Sandakan. Mit anderen Worten, Kandy ist kacke. Abends finden wir kaum was zu Essen, weil um 18h die Bürgersteige hochgeklappt werden. Ein online Reiseführer empfiehlt in den Pizzahut zu gehen. Ein Betrunkener labert uns auf der Straße voll und die Tuktuk-Fahrer sind furchtbar aufdringlich. So sehr, dass wir irgendwann in eine hell beleuchtete Domino-Filiale flüchten, obwohl wir dort nichts essen möchten, nur um hinter geschlossenen Türen ein sicheres Tuktuk für den Heimweg auf dem Handy zu buchen. Der Pizzabäcker lässt uns gewähren und spricht mit den vor der Tür lauernden Fahrern. Die lassen sich nicht beirren und lungern weiter herum. Lieber schlafen wir im Pizzaladen, als bei einem von denen einzusteigen..
Unsere Unterkunft liegt diesmal am Ende eines langen, steilen Hügels, ein bisschen zu weit weg und zu weit oben, insbesondere mit Adam's-Peak-Muskelkater in den Waden. Den berühmten Buddha-Zahn-Tempel wollen wir uns nicht ansehen, auf Botanischen Garten haben wir wegen der Hitze keine Lust und der See in der Stadtmitte ist ein Wasserloch mit Betonrand. Selbst die Fische und Schildkröten im Wasser sehen so aus, als versuchen sie dort rauszukommen. Wir besichtigen eine ganz hübsche große Buddha-Statue, von der aus man einen Blick auf die Stadt hat. Aus der Ferne geht's. Nach der Donation für die Aufbewahrung unserer Schuhe vor dem Eingang und dem offiziellen Ticket am Eingang, versucht ein "Official Donation Officer" hinter dem Eingang eine weitere Spende aus der Tasche zu ziehen. Wir sagen "Thank you!" und lächeln freundlich, da weiß er auch nicht mehr, was er noch sagen soll. Man kann in dieser Stadt keine fünf Meter laufen, ohne für irgendeine Aktivität angequatscht zu werden, sei es Tuktuk oder Spende für die Götter.
Außerdem in Kandy: Wir laufen eine Ewigkeit in der Hitze zu einem Café, in dem es keinen Kaffee gibt. Zum ersten Mal auf der gesamten Reise schmeckt mir ein Essen so dermaßen nicht, dass ich es unangetastet stehen lasse.
Schon am ersten Abend beschließe ich "Ich hasse Kandy". Frans versucht mich noch vom Gegenteil zu überzeugen, aber ihm gehen schnell die Argumente aus. Also bleiben wir auf der Terrasse unseres Homestays sitzen und fotografieren, was wir von dort sehen. Wir hätten uns sicher noch mehr um Kandy bemühen können, aber wir sind froh, als es nach zwei Tagen weitergeht.
Nallathaniya, Adam's Peak, 15.-18.03.2025 🔗
...Stellst du noch den Wecker auf 2 Uhr bitte...
Von Ella reisen wir nach Hatton, um von dort weiter nach Nallathaniya/Delhouse zu kommen. Um 9 Uhr morgens verlassen wir dafür unsere Unterkunft in Ella, um 17:45h erreichen wir die neue. Dazwischen gibt es einen verspäteten, überfüllten Zug, eine Schienenpanne auf der Strecke, bei der die meisten aussteigen, um auf dem Bahnsteig zu singen, tanzen oder Karten zu spielen, einen netten Mann, der mir seinen Sitzplatz schenkt, eine Frau mit leerem Handyakku, der wir unseren Akku zum Laden leihen.
Nur beim Aussteigen drücken sich absolut rücksichtslos etwa 20 Männer in unser Abteil und werfen einen Erdnussverkäufer um, mich auch beinahe. Das Schubsen und Drängeln beim Einsteigen steht in krassem Gegensatz zur Freundlichkeit, sobald alle einmal drinnen sind. Ein Sitzplatz ist natürlich Gold wert, aber dafür alte Männer umrennen? Scheint hier vertretbar, aber wir sind daraus bisher nicht schlau geworden.
Nach der crazy Zugfahrt steht (im wahrsten Sinne des Wortes) noch eine gut einstündige Busfahrt an, wir mal wieder ohne Sitzplatz, da sind wir gut drin. Während der Bus in Serpentinen zwei Seen umrundet, krallen wir uns an Metallstäben im Gang fest. Das große Gepäck immerhin sicher neben dem Schaltknüppel des Busfahrers verstaut.
Von der Tagesreise ruhen wir uns dann erstmal einen Tag aus, buchen Frühstück und Abendessen direkt in unserer Unterkunft und machen einen kleinen Spaziergang durch die Teeplantagen. In der zweiten Nacht steht schließlich Großes an.
Um 2 Uhr nachts klingelt der Wecker und kurz darauf verlassen wir das Zimmer. Nach wenigen Gehminuten stehen wir am Fuße des Adam's Peak, 5.500 Treppenstufen von seinem Gipfel entfernt. Um uns herum alles voller Pilger:innen, die von überall angereist sind, um oben den Fußabdruck Buddhas zu sehen, zu beten - all das optimalerweise pünktlich zum Sonnenaufgang.
Statt besinnlicher Pilgerung gleicht der Weg besonders zu Beginn eher einer Vergnügungsmeile. Alles ist hell beleuchtet, Händler verkaufen Getränke und Snacks, aber auch Kuscheltiere und Klamotten. Viele Einheimische haben Mützen auf, die ihnen viel zu groß sind, wenige nutzen Wanderstöcke, niemand trägt Sportkleidung. Barfuß, Flipflops oder Sandalen sind die präferierte Fußbekleidung. Unabhängig vom Streckenabschnitt begegnen uns bergauf und bergab Menschen, die sich kaum auf den Beinen halten können und solche, die aussehen als liefen sie gleich nochmal hoch. Zwischen 0 und 100 Jahren liegt das Altersspektrum, Alte werden gestützt, Junge getragen.
Wir schaffen es in 2 Stunden bis 200m vor den Gipfel, dort geraten wir in einen Stau. Für die nächsten 100m brauchen wir eine weitere Stunde. Dafür ziehen wir uns alles an Kleidung über, was wir mitgebracht haben, es ist nämlich sau kalt und windig. In einer weiteren Stunde schaffen wir nochmal 50m, bis gar nichts mehr geht. That's it, dies ist unser Platz für den Sonnenaufgang. Man rutscht sehr, sehr eng zusammen, damit alle gute Sicht haben. Das Mädchen neben mir lehnt sich quasi an mir an; sie trägt zwar eine riesige Mütze, aber sonst nur Leggings und Bluse, also drei Schichten weniger als ich. Erst als sie mir auf den Fuß steigt, wackele ich sie ein paar Zentimeter von mir weg. Sobald die Sonne aufgegangen ist, schlagen einige (=Touris) den Rückweg ein, die meisten (=Pilgernde) warten weiter auf den Aufstieg, um Buddhas Fußabdruck zu sehen.
Der Rückweg ist weniger schlimm als befürchtet, der Muskelkater kommt erst in der nächsten Nacht.
Zurück in der Unterkunft werden wir mit Frühstück begrüßt und bewegen uns den Rest des Tages fast gar nicht mehr.
Ella 12.-15.03.2025 🔗
..In Germany, we have cabbage and potatoes ..
Wir haben ja bereits von unseren bisherigen Homestay-Erfahrungen geschwärmt, aber unsere Gastfamilie in Ella geht besonders ins Herz.
Nachdem wir von Tangalle nach Ella mit Wagen und Fahrer gelangt sind, nimmt am Endhaltepunkt ein Tuktuk-Fahrer unser Gepäck in die Hand und brummelt etwas von Hotel. Da uns keine Abholung angekündigt wurde, bin ich äußerst misstrauisch und frage mehrmals nach bzw. betone (deutlich(st)), dass wir ihm nichts zahlen werden. Die Masche mit dem ungefragt Gepäck einladen und am Ende abkassieren kenne ich aus Thailand nur zu gut. Weiterhin misstrauisch lassen auch wir uns einladen und werden 500m bergauf bergab über eine kleine Straße zur Unterkunft transportiert. Dort stellt sich heraus, dass der Mann die Wahrheit gesagt hat, läd uns wortlos aus und zieht von dannen. Ein bisschen sehr schäme ich mich für mein in dem Fall unbegründetes Misstrauen.
Eine junge Frau mit großem Lächeln läuft uns entgegen, will uns beim Gepäck helfen und zeigt uns unser fantastisches Zimmer mit eigenem überdachten Essplatz davor, der eine Aussicht zum Träumen übers Tal hat. Sie rennt in die Küche, macht uns Kaffee und schmiert uns Brote. "How was your travel, madam?" "Sure, you are tired, Sir". Achini ist die 24-jährige Tochter unserer Homestay-Familie, unglaublich freundlich, strahlend und übermäßig höflich. Jedes Mal, wenn wir losgehen oder zurückkommen wird gewunken und gelächelt. Wenn wir die fixe Idee haben morgens um 7 Uhr wandern gehen zu müssen, packt sie uns eine Frühstücksbox. Als wir schon fast los sind, rennt sie nochmal ins Haus, um eine Wasserflasche zu holen.
Am Nachmittag zeigt sie uns ihren Garten und erklärt jede Pflanze. Was bei uns in Deutschland so wächst, möchte sie wissen. Kartoffeln, Karotten und Kohl. Und welche Tiere es bei uns gibt, fragt sie. Kühe, Hunde und Katzen, nicht viel aber immerhin nichts Giftiges. Kommt uns selbst alles ziemlich langweilig vor und wir machen ein paar Witzchen über unser Land (Mangos wachsen bei uns im Supermarkt, etc). Deutsche seien immer so nett, immer gute Menschen, sagt sie. Nicht zum ersten Mal hören wir das in Sri Lanka, die viel auf die Deutschen halten, immer macht es uns verlegen. Die Menschen hier in Sri Lanka gehören mit Sicherheit zu den nettesten auf der ganzen Welt, aber wir Deutschen? Vermutlich geben sich viele Deutsche in ihrem Urlaub Mühe, sich an die örtlichen Gepflogenheiten anzupassen und sind freundlich zurückhaltend. Und immer dann, wenn wir bisher "unangemessenes" Verhalten von Touristen beobachtet haben (oben ohne auf dem Tempelgelände, Herumschreien in der Öffentlichkeit), waren es keine Deutschen.
Selbst ohne die grandiose Landschaft in Ella, wäre unser Aufenthalt wegen des Homestays toll gewesen, die drei Tage in den Bergen werden zu einem weiteren Highlight unserer Reise. Wir besteigen den Little Adam's Peak und genießen am letzten Gipfelpunkt einen fast 360 Grad Rundumblick. Gleich zweimal laufen wir einen großen Rundweg über die berühmte 9-Arch-Bridge, beobachten Touristinnenn, die sich fotogen aus vorbeifahrenden Zügen hängen und kaufen am Wegesrand gekochte Maiskolben, die in Salzwasser getunkt werden.
Unsere Wanderung frühmorgens führt uns über die Schienen (machen hier alle so) auf den Ella Rock. Überall begegnen uns freundliche Menschen, wir laufen durch einen Eukalyptuswald und finden den Weg zum eintrittsfreien Aussichtspunkt. Wir entdecken wir eine einsame Kuh zwischen den Bäumen und dann ein buddhistisches Kloster im Wald. Als wir umdrehen, kommt ein Hund mit uns mit. Er läuft voraus, an jeder Biegung bleibt er stehen und wartet auf uns, dann läuft er weiter. Nachdem wir am Aussichtspunkt zurück sind, dreht er ab und verschwindet.
Auf dem Rückweg nehmen wir einen anderen Weg, der uns kurz vor Erreichen der Gleise an einem mit Wespen-(?)Nestern behangenen Baum und durch einen Bach führt. Als uns die Sonne zu arg wird, folgen wir einem Schild ein paar Stufen die Böschung hinauf. Hier soll ein Restaurant sein? Eine alte Frau winkt uns lachend heran und bietet uns einen Platz auf ihrer Terrasse an. Sie zeigt uns eine übersichtliche Speisekarte, wir bestellen Kaffee und eine Kleinigkeit zum Essen. Sie verschwindet in ihrer offenen Küche und bringt uns Essen und Getränke, zudem Bananen von ihrem eigenen Bananenbaum. Sie setzt sich zu uns und obwohl sie kaum Englisch spricht, erzählt sie uns von ihrem Sohn, ihren Pflanzen und ihrem Homestay. Nach jedem Satz lacht sie. Als wir gehen, fasst sie mich am Arm und winkt uns hinterher.
Die Landschaft rund um Ella ist atemberaubend und die Menschen unendlich gastfreundlich. Den Stadtkern entlang der Hauptstraße mit seinen teuren Touri-Cafés aus denen Elektrobeats wummern, kann man einfach übersehen. Ella bekommt einen großen Platz in unserem Herzen und mit Wehmut reisen wir nach knapp vier Tagen weiter. Zum Abschied packt Achini uns ungefragt nochmal eine Box mit Essen für die lange Zugfahrt. Sie und ihre Schwester winken uns hinterher. Hoffentlich sehen wir uns mal wieder.
Tangalle 09.-12.03.2025 🔗
..Strand in Sicht..
Nach der lärmenden Hitze rund ums Fort in Galle verziehen wir uns ins 80km entfernte Tangalle bzw. einige Kilometer außerhalb fußläufig zum Silent Beach. Genau das brauchen wir jetzt, Silent und Beach. Wieder buchen wir ein Homestay und werden diesmal von Kavidi und Familie begrüßt, wo wir mit eigener Terrasse am Zimmer logieren dürfen. Morgens decken Kavidi und ihre Mutter den Tisch auf unserer Terrasse mit Frühstück ein, jeden Tag gibt es neben einem Früchteteller Gebackenes, Marmelade und eine Kanne Tee. Danach ruhen wir uns ein bisschen aus, lesen auf der Terrasse, machen ein Schläfchen, gehen zum Strand, legen uns hin, essen etwas, usw.
An einem Tag brechen wir nach einem verregneten Vormittag zum Strand auf und kommen am frühen Abend an. Die 200m zwischen Unterkunft und Strand haben wir in einem Restaurant verbummelt. Manchmal sitzen wir auf der Terrasse und sehen den Affen zu, die übers Dach flitzen, oder den Pfauen, die herumsitzen und sich gegenseitig rufen. Die meisten Tiere in der Wildnis sehen aus, als gehören sie genau dort hin. Nicht in den Zoo, an die Leine oder ein Gehege. Pfauen hingegen machen den Eindruck als seien sie aus einem goldenen Käfig ausgebüxt und mit der Freiheit ein wenig überfordert. Mit den kräftigen kurzen Beinen und dem imposanten Federschweif können sie sich kaum auf einem Ast halten. Wenn sie fliegen, dann nur ein paar Meter in Bodennähe. Auf Bäumen und Dächern rufen sie wie eine große Katze, die sich ein bisschen zu selbstsicher hoch hinaus gewagt hat und jetzt gerne wieder heruntergeholt werden möchte - mit einer Sänfte. Ihre wunderschönen Federn und glitzernden Laiber kommen auf Marmorboden in französischem Garten vermutlich auch besser zur Geltung als im Gebüsch an der Dorfstraße. Dafür stehen sie uns immerhin brav als Fotomdelle zur Verfügung.
Galle 07.-09.03.2025 🔗
..und nicht mal ein Foto vom Fort..
Ankunft in Galle.
Große Hitze, ein altes Fort,
Fahrt nach Tangalle.
Frans
Die Stadt Galle.
Große Hitze und ein Fort,
schnell wieder fort.
Stina
Negombo nach Galle, Sri Lanka 06.-07.03.2025 🔗
..Geschichtsstunde..
Der internationale Flughafen "Colombo" in Sri Lanka liegt eigentlich in Negombo. Wir haben für die erste Nacht in der Nähe des Flughafens ein Homestay gebucht. Der Mann bietet an, uns vom Flughafen abzuholen, erst für 10€, dann umsonst (?), was uns nach dem verrückten Flugerlebnis sehr entgegen kommt. Zuhause macht seine Frau die Tür auf, wir treten ein und stehen uns mitten im Wohnzimmer eines einfachen Hauses. Die Einladung zu Tee oder Kaffee lehnen wir dankend ab, wir müssen dringend schlafen. Ein Vorhang wird gelupft und dahinter befindet sich ein kleines Zimmer mit Bad, vermutlich das alte Kinderzimmer. Wir lassen den Ventilator laufen und schlafen sofort ein.
Am nächsten Morgen sitzen wir wieder im Wohnzimmer am Esstisch und bekommen ein riesiges Frühstück serviert. Ein Berg voller gebackenem Toastbrot, Nudeln, Dhal, Früchte, Eier, viel mehr als wir essen können. Als wir fertig sind, müssen wir jeder noch 2 Bananen probieren, weil es unterschiedliche Sorten sind. Schmecken beide gleich und bringen uns fast zum Platzen.
Der Mann, der uns abends bereits abgeholt hat, sitzt bei uns am Tisch und erzählt Geschichten aus seinem Leben als Schiffsmechaniker. In einem Pass zeigt er uns seine Schiffsreisen aus den 70ger Jahren. Gegen Ende des Frühstücks kündigt er noch eine Geschichte an, die zwar ewig lang sei, aber er würde uns die Kurzfassung geben, wir wollen ja sicher los. 45 Minuten später ist die Geschichte fertig, seine Frau hat uns in der Zeit mehrmals neue Früchte aus dem Garten aufgeschnitten und Saft gebracht. Die Geschichte ist über eine seiner Reisen vor über 50 Jahren. Sie enthält viele Irrungen und Wirrungen, ausgewiesen zu werden an Grenzen und neue Freunde in der Not finden, ohne Geld in einem fremden Land stehen und endet mit einem deutschen Schutzengel, der der Odyssee zu einem Happy End verhilft. Währenddessen werden wir von seiner Frau weiter mit Früchten aus dem Garten und selbstgepresstem Saft versorgt. Uns wird klar, dass wir und sicher auch viele andere Reisende alles zurückbekommen, was der deutsche Schutzengel damals gegeben hat. Kaum ein paar Stunden im Land, fühlen wir uns schon richtig aufgenommen und angekommen.
Am späten Vormittag können wir uns schließlich losreißen und laufen bepackt voller Bananen zur Hauptstraße. Dort winken wir in aus Malaysia gewohnter Manier allen Bussen, bis nach Kurzem einer anhält, der in unsere präferierte Richtung fährt. Der Bus hupt und kurvt und rast Richtung Stadtzentrum, gut, dass wir sitzen und uns festhalten können. Da wir als letztes abkassiert werden, ahne ich schon, was jetzt kommt. Der Ticketmensch nennt einen Betrag, der ein Vielfaches dessen ist, was wir andere haben zahlen sehen. Ich sage no way, er nuschelt was von luggage fee, ich drittele den Preis, er hält dagegen. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was eine Busfahrt kostet, aber beim Gegenwert von 50 Cent pro Person willigt er ein. Vermutlich immer noch mehr als der reguläre Preis, aber nicht wert, weiter zu verhandeln. Wir zahlen, satteln die Rucksäcke und hüpfen aus dem Bus, der langsam weiterrollt.

Dann warten wir zwei Stunden in großer Hitze auf einen Zug und versuchen bis dahin allen "Sir Tuk-Tuk?" und "Madame, coconut?" auszuweichen. Am frühen Nachmittag steigen wir in den Zug und bekommen leider in der zweiten Klasse nur noch einen Stehplatz im Gang. Wir sind ja jung! Die Zugfahrt ist atemberaubend, langsam zuckeln wir direkt am Meer entlang.
Leider ist auch die Hitze atemberaubend und der Zug wird immer voller. Schon nach kurzer Zeit sieht man uns beiden an, dass wir hier nicht dreienhalb Stunden im Gang herumstehen werden können. Als mir schon ein bisschen schwummrig wird und ich überlege, mich auf den Boden zu setzen, rutscht ein Pärchen auf ihren Sitzen zusammen und die Frau bedeutet mir, mich zu ihnen zu setzen. Ich bin mir nicht sicher, wie sie sich das vorstellt, auf keinen Fall passen da drei Leute hin. Sie bleibt hartnäckig und ich setze mich dankend auf die Kante. Das genügt ihr nicht, ich soll mich anlehnen. Mache ich, sie wackelt sich zurecht und wir sitzen nun Pobacke an Pobacke und Schenkel an Schenkel zu dritt auf zwei Sitzen. Die Frau noch dazu mit hochgeklappter Armlehne im Rücken. Sie spricht kein Englisch, aber bedeutet mir immer wieder, dass das so in Ordnung ist. Ich bin überwältigt von so viel Nettigkeit, schlecht sitzen ist tausend Mal besser als gut stehen.
Frans bekommt nach einer weiteren halben Stunde sogar einen eigenen, freien Sitzplatz, viel länger hätte er es stehend auch nicht ausgehalten. Später erfahren wir gegenseitig voneinander, dass wir beide bereits überlegt hatten, wie wir im engen Zug wohl am besten gefahrlos in Ohnmacht fallen...
Als wir in Galle ankommen, buchen wir im nächsten Wifi-Café ein Homestay und lassen uns von Google Maps zu "Anthony's Villa" navigieren - und landen bei der Caritas. Wir werden überrascht aber freundlich empfangen, am Eingang steht irgendetwas von "Bishop Anthony". Wir sind ziemlich durch vom Tag und freuen uns einfach, dass der Bischof im Internet freie Schlafplätze inseriert. Nach ein paar Gesprächen und Telefonaten stellt sich heraus, dass wir doch nicht richtig sind. Dafür wird uns vor der Tür die richtige Straße gezeigt und wir dackeln mit unseren Rucksäcken weiter. Anthony und Frau begrüßen und dann wieder sehr herzlich. Wir haben sie mit unserer Last-Minute-Buchung etwas überrascht, sie rennen durchs Haus und putzen unser Zimmer. Währenddessen werden wir vorm Fernseher geparkt und mit Bananen und Kuchen versorgt.
Auch nach diesem Tag fallen wir wieder kaputt ins Bett.
Flug von Hanoi, Vietnam, nach Colombo, Sri Lanka 06.03.2025 🔗
..Terminal..
Auch wenn wir mit dem Blog gerade ein bisschen hinterherhinken, müssen wir der Reise von Vietnam nach Sri Lanka einen eigenen Beitrag widmen. Fotos gibt es keine, wer dafür hierher kommt, kann diesen Text getrost überspringen. Wir haben nur so einiges schreibtherapeutisch zu verarbeiten..
Nach Nebel, Smog und Ruppigkeit in Vietnam, geht es ins sonnige Sri Lanka. Weil es für Sri Lanka nur ein dreißigtägiges Visum gibt und wir nicht wissen, wann und wohin wir weiterziehen wollen, buchen wir erstmal nur den Hinflug. Da man für die Einreise zumindest offiziell ein Ausreiseticket vorweisen muss, schwitzen wir auf der langen Reise jedes Mal, wenn wir irgendwo unseren Pass vorzeigen müssen. Für den Fall, dass wir aufgehalten werden, legen wir uns immerhin eine "Exit Story" zurecht und suchen einen günstigen Flug im Internet raus, den wir im Zweifel blitzschnell buchen können. Unsere Reise führt uns mal wieder über Kuala Lumpur, Direktflüge gibt es leider icht. Das Ganze mit Selbsttransfer zwischen den Flügen, d.h. dazwischen Gepäck holen, wieder abgeben, immigrieren und emigrieren; also buchen wir mit knapp 3h Umstiegszeit, das wird ja wohl reichen! In Hanoi, lässt man uns dann auch problemlos ausreisen und mit nur 45min Verspätung landen wir in Kuala Lumpur zum Umsteigen. Gut, dass wir uns hier bereits auskennen, auf dem Weg nach Vietnam sind wir hier bereits umgestiegen. Also husch husch, raus aus dem Flieger, ab zum Gepäckband. Ach ja, davor noch durch die Einreiseabteilung, schließlich betreten wir für 2 Stunden nochmal malayischen Grund. Kein Problem, denn mit unserem europäischen Pass können wir ratzfatz durch die elektronische Schranke. Einfach Pass auflegen, in die Kamera schauen, Schranke auf, durch, Schranke zu. Funktioniert einwandfrei und schnell, zumindest für mich. Frans, der hinter mir ansteht, kommt auch nach mehrmaligem Probieren nicht durch die Schranke. Wir kommunizieren gestikulierend miteinander, ich in Malaysia, er im Niemandsland. Er soll jemanden fragen, da ist aber niemand, ich soll jemanden suchen, schau doch mal, dahinten sitzen welche hinter der Glasscheibe. Ich verwandle mich in seinen magnetischen Gegenpol, um ihn ja nicht aus den Augen zu verlieren. Während Frans nach links, rechts, vorne und hinten läuft, mache ich seine Bewegungen auf der anderen Seite der Glasscheibe mit. Schließlich steht er inmitten einer indischen Reisegruppe an einem menschenbesetzen Schalter an. Die Uhr tickt und die Schlange bewegt sich langsam. Irgendwann ist er dran und spricht mit dem Grenzbeamten. Ich höre "eeeh, Sri Lanka" "yes" "no" und der Beamte dreht sich um und nickt in meine Richtung. Vielleicht darf ich hier nicht rumstehen und mit Uneingereisten gestikulieren? Aber er darf durch und wir hurten nun etwas schneller zum Gepäckband. Anscheinend wollte der Mann nur wissen, ob Frans alleine oder mit jemandem unterwegs ist und ich war der Freifahrtschein.
Nachdem wir unseren Rucksack eingesammelt haben, fragen wir uns, wieso ist denn unser Flug hier nirgendwo angeschrieben? Online existiert er, nur finden wir ihn nicht auf der elektronischen Anzeige im Terminal. Seltsam, wir fahren erstmal ein paar Etagen nach oben in die Abflughalle und suchen nach den AirAsia-Schaltern. Dann dämmert uns, dass wir vermutlich nicht im richtigen Terminal sind. Daher also auch die Notwendigkeit des "Self Transport".. Oh man, wo ist denn Terminal 2? Mittlerweile haben wir noch 30min bis der Gepäckschlater schließt. Natürlich alle Rolltreppen wieder runter und die blitzschnelle Entscheidung a) Schnellzug vor unserer Nase für 80Cent oder b) kostenloser Busshuttle irgendwann und irgendwo draußen. Wir wählen a), kaufen Tickets und warten dann, mit Hummeln im Hintern, 15 Minuten auf den nächsten "Schnell"zug. Mittlerweile fühlen wir uns ein bisschen dumm und hungrig.
Als wir im richtigen Termin ankommen, heißt es Gepäck aufgeben, erste Sicherheitskontrolle, zack zack, und jetzt haben wir ja noch 40min bis Boarding. Wir haben seit morgens nichts mehr gegessen und es ist schon Abend, ich schlage vor, wir gehen zum Inder. Gut, dass wir die Wege bereits vom letzten Mal kennen, sie sind nämlich ewig lang in diesem Flughafen. Frans sagt, er bewundert meine Ruhe, weil wir ja vor dem Abflug noch durch die zweite Sicherheitskontrolle müssten. Stimmt, das habe ich genauso vergessen wie beim letzten Mal. Der Inder ist gestrichen, es gibt Take-Away von McDonalds. Während wir dort auf unsere Bestellung warten, ziehen wir verschwitzte Pullis aus und schimpfen ein bisschen über Flughäfen. Als die Pommestüte fertig ist, geht es im Stechschritt weiter zur letzten Sicherheitskontrolle, immerhin ist diese leer. Schuhe aus, Hosentaschen leeren, Laptop rausholen - eine mittlerweile bekannte Prozedur. So, das hätten wir, jetzt können wir am Gate noch 15min Burger verdrücken. Wo ist eigentlich Gate P? Hier steht nur L?! Eine Drehung um die eigene Achse, alles voller Ls, aber kein P-Schild weit und breit. Wir fragen die Dame, die uns eben durchleuchtet hat, wo die Ps geblieben sind. "Different building, madame" sagt sie und rudert dabei mit dem Arm in eine Richtung, die aussieht wie "dahin müsst ihr fliegen". Okay, liebe Frau, dann gehen wir jetzt wieder rückwärts durch diese Sicherheitskontrolle, okay? Ja, anscheinend kein Problem.
Wieso dachten wir, dass wir vom gleichen Gate fliegen wie vor zwei Wochen? Warum ist das hier alles so riesig? Wieso sagt uns keiner, wo wir hinmüssen? Und wo ist meine Mama? Wir hurten samt Handgepäck rückwärts durch die Metallschleuse, die natürlich piept wie wild und bewegen uns nun galoppierend in die Richtung, in die der Arm ruderte. Es ist ein bisschen wie im Alptraum. Man kommt einfach nicht an und irrt schwitzend durch endlose Gänge, während die Uhr tickt. Nochmal Sicherheitskontrolle, Schuhe, Gürtel, Laptop. Mit dem Glockenschlag zum Zeitpunkt des Boardings erreichen wir unser Gate. Wasser, wir haben noch kein Wasser gekauft und werden verdursten! Frans joggt zum nächsten Filterautomaten und dann gleich nochmal, weil er nur eine unserer Flaschen aufgefüllt hat. Im Stehen schiebe ich mir mechanisch Pommes in den Mund. Dann dürfen wir noch 15 Minuten warten, weil es mal wieder später losgeht und 3,5h später landen wir tatsächlich in Colombo. Dort bibbern wir noch einmal vor der letzten Immigration, aber innerhalb von 2 Minuten werden unsere Pässe gestempelt und der Notfallplan wird ad acta gelegt. Hallo, Sri Lanka!
Ninh Binh 02.-05.03.2025 🔗
Raus aufs Land heißt in unserem Fall wir fahren nach Ninh Binh, um uns dort die typischen Karstfelsen anzuschauen. Am bekanntesten für diese riesigen Felsformationen, die steil aus dem Boden ragen, ist eigentlich die Halong Bucht. Da diese mittlerweile laut Internet heillos überlaufen ist und die Alternativ-Bucht anscheinend gerade für Luxus-Resorts "umgebaut" wird, fällt unsere Entscheidung auf Ninh Binh. Bei dieser trockenen Variante der Halong-Bucht sind wir nicht auf Boote zur Erkundung der Umgebung angewiesen, sondern können uns in unserer Unterkunft Räder leihen und damit durch die Gegend düsen. Das machen wir dann auch, einen Tag nach links von der Unterkunft aus und den anderen Tag nach rechts.
Die Landschaft ist super schön, wir fahren durch frisch gepflanzte Reisfelder, erklimmen einen Aussichtspunkt und beobachten mit den Füßen (!) rudernde Vietnamesinnen. Ja, warum eigentlich nicht?
Leider bleibt es ziemlich trüb und insbesondere morgens neblig und noch leiderer hat der Massentourismus auch hier Einzug erhalten. Dicke Reisebusse verstopfen die kleinen Dorfstraßen, der Aufstieg zum Aussichtspunkt ähnelt einer Pilgerfahrt, während es oben so sardinig ist, dass es kaum noch einen Stehplatz gibt. Jede noch so kleine Attraktion, sei es Pagode, Hügel oder Höhle kostet Eintritt und zwar happig.
Fester Bestandteil und Highlight eines jeden Tagesausflug-Reisebusses ist dann DIE Bootsfahrt. Von früh bis spät gleitet eine orangene, schwimmbewestete Toursistenmasse über den Fluss, um von Ruderbooten aus die Karstfelsen zu bestaunen. Das scheint so sehr ein Muss zu sein, dass wir uns nicht dazu durchringen können. Stattdessen drehen wir den Spieß um und bestaunen die Boote, den Fluss und die Felsen auf dem Fahrradsattel von kleinen Brücken aus. Auch den weiteren "Must-Do" Attraktionen versuchen wir aus dem Weg zu gehen. Je mehr Busse an einem Ort, desto schneller fahren wir daran vorbei. Vor einem Tempel mit besonders vielen Bussen versucht uns dann noch ein sehr offiziell wirkender, uniformierter Mann mit (Schlag-?)Stock und lautem Rufen von unseren Rädern auf den Parkplatz zu winken. Dafür stellt er sich mitten auf unsere Fahrbahn. In Deutschland würden wir vor lauter Schreck vom Rad kippen und - jawohl, Herr Polizist - umgehend jede Anweisung befolgen. Hier umfahren wir ihn in weitem Bogen, nur um auf den nächsten hundert Metern noch 3 anderen Parkwächtern mit ähnlichem Gebaren auszuweichen. Unsere Vorab-Recherche hat sich mal wieder rentiert: Es handelt sich um Privatpersonen, die vom Parkbedürfnis der Besichtigenden profitieren wollen. Wenn man mitten auf dem Land fürs Abstellen von Fahrrädern Geld bezahlen muss, dann kann der Weltuntergang nicht mehr weit hin sein.. Den Autos ergeht es natürlich nicht besser: Auf einer der Hauptverkehrsstraßen stehen wild gestikulierende Restaurant- und Tankstellenbesitzer mitten auf der Fahrbahn, um den vorbeifahrenden Verkehr in ihre Einfahrten zu winken. Es erscheint uns ein sinnloser und noch dazu gefährlicher Zeitvertreib, so mitten auf der Fahrbahn zu stehen, wir sehen niemanden anhalten. Man muss übrigens nicht weit fahren, um sein Rad dann kostenfrei und unbehelligt am Wegesrand abzustellen.
Wenn man den Reisebussen ausweicht, auf die Hauptattraktionen pfeift und es schafft, die Abzocken zu umgehen, ist die Gegend wirklich schön und sehenswert. Noch schöner wird es, als sich an einem Nachmittag für ein paar Minuten mal die Sonne durch den Nebel drückt und wir uns prompt in einen Liegestuhl fallen lassen. Auch kulinarisch können wir uns nicht beklagen. In den Cafés am Straßenrand gibt es reichlich Kokosnuss-Kaffee und frittierten Tofu in Tomatensauce. Außerdem futtern wir Reisnudelsuppe, belegte Banh Mi Brote und gebratene Nudeln mit Gemüse. Das Essen schmeckt, wir fahren Rad und wir haben eine tolle Unterkunft.
Einen nicht unerheblichen Zeitanteil unseres Landausflugs nimmt die Reiseplanung der nächsten Schritte in Anspruch. Wir wollten in Vietnam hauptsächlich die Bergregion im Norden bereisen. Allerdings sind die Temperaturen deutlich niedriger und der Niederschlag höher als im März eigentlich üblich in der Region. Wir screenen täglich diverse Wetterdienste, lesen Reiseberichte und überlegen uns sogar extra Equipment zuzulegen. Nach viel hin und her ( "dann wandern wir halt im Regen", "wie kalt sind noch mal 10 Grad?" "Gewitter in den Bergen ist irgendwie nicht so gut, oder?") entschließen wir uns gegen die vietnamesischen Berge und für ein alternatives Reiseziel. Auch dieses wird erstmal gründlich recherchiert und diskutiert, ihr könnt euch vorstellen, dass so etwas bei uns eine eher längere Geschichte ist... Außerdem ist unser Ziel wirklich nicht besonders viele Flugmeilen zu sammeln, daher wollen wir nun ganz unbedingt eine "gute" Entscheidung treffen. Wir kommen euch dabei auch schon wieder ein bisschen näher.
Hanoi 27.-02.03.2025 🔗
..Speckiger Nebel..
Wir haben den Dschungel durchforstet, Städte durchkämmt, Tempel besucht und Spezialitäten verkostet; wir haben geschwitzt, gestaunt, gewandert, gelächelt und gewunken. Und jetzt sind wir durch mit Malaysia. Unser nächstes Ziel liegt in ... Vietnam!
Und so verlassen wir Borneo, um nach einer schlaflosen Nacht am Flughafen in Kuala Lumpur überdreht und übermüdet in Hanoi zu landen. Dort werden wir von dichtem Nebel und einer Temperatur empfangen, die wir nach der Akklimatisierung in Malaysia als frisch bezeichnen. Ihr würdet vermutlich angenehm mild dazu sagen. Der Wetterdienst behauptet wir liegen irgendwo bei 18-22 Grad, gefühlt sind es eher 14. Und so packen wir zum ersten Mal seit unserem Aufenthalt in den Cameron Highlands wieder die Fließjacke aus. Auch die Leggins, welche seit Abreise in Deutschland ihr Dasein in den dunkleren Ecken des Rucksacks gefristet hat, kommt mal wieder zum Einsatz. Wobei sie irgendwie ein bisschen spannt, was Leggins ja in der Regel zu vermeiden wissen. Malaysia scheint einige mittelfristige Spuren in der Körpermitte hinterlassen zu haben. Das ist aber kein Speck, sondern höchstens Spaß. Da die Sneaker leider noch nach den Dschungel-Eskapaden riechen, bringen wir sie ins "Shoe Spa". Bis sie wiederkommen, sind ausnahmsweise Socken in Flipflops erlaubt.
Der Verkehr, den wir gleich nach der Landung bei unserer Busfahrt in die Stadt genießen dürfen, ist wild. Man kann es schlecht beschreiben, aber wir werden versuchen die Situation auf Fotos festzuhalten. Das Überqueren von Straßen gleicht einem "Augen zu und durch". Wer mal den Trickfilm Mulan gesehen hat, kennt vielleicht die Szene, in der Mulans Oma eine Glücksgrille auf ihre Funktionalität testet, indem sie mit der Grille in der Hand und verbunden Augen eine vielbefahrene Straße in China überquert. Die Oma überlebt, auch wenn hinter ihr sämtliche Gefährte ineinander rauschen. Die Grille fällt bei der Aktion allerdings vor lauter Angst in Ohnmacht. Wir sind ein bisschen wie die Grille. Frans war 2020, pünktlich zum ersten Corona Lockdown schon mal in Vietnam, allerdings nicht in Hanoi. Ich war schon mal in Hanoi, allerdings sind es bei mir etwa 10 Jahre her. Die Stadt hat ihren chaotischen Kern behalten, allerdings gibt es unzählige touristische Cafés und Restaurants, die ich so nicht in Erinnerung habe. Viele Menüs gibt es nur auf Englisch, auch das war "damals" noch nicht der Fall. An die Existenz veganer und vegetarischer Restaurants war nicht zu denken, jetzt scheinen sie wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Kaum ein Lokal, das nicht mindestens mit "also vegetarian options" wirbt. Was sich nicht geändert hat, ist die grandiose Fähigkeit der Vietnamesen erfolgreiche Dinge zu kopieren. So finden wir in einer Straße nur wenige Meter voneinander entfernt gleich 2 Restaurants, die exakt den gleichen Namen, das identische Eingangsschild und auch den Zusatz "since 1998" tragen. Beide mit sichtbaren Auszeichnungen der bekannten Reiseportale. Eins davon sicher das etablierte Original, das andere eine Kopie, die auf der Erfolgswelle mitreiten möchte. Nur welches?
Wir lassen uns durchs Getümmel treiben, versuchen die touristischsten Straßen zu meiden und landen in einem leeren Lokal mit "also vegetarian options". Ein erster Biss in die Frühlingsrollen lässt uns allerdings zweifeln, ob die so richtig vegetarian sind. Eine Nachfrage beim Kellner führt zu einem leeren Blick seinerseits. Wir merken, dass der gute Mann kein Wort Englisch spricht und unsere Bestellung nur anhand der Bilder aufgenommen hat, auf die wir in der Speisekarte gezeigt haben. Leider kann auch der Google Übersetzer "Wir essen kein Fleisch. Kein Rind, kein Huhn" keine Regung in seinem Gesicht erzeugen. Er schaut uns einfach nur an, während wir uns selbst ein Loch in den Bauch fragen und erklären. Nach einiger Zeit erscheint seine Mutter/ Tante/ Nachbarin auf der Bildfläche und verschwindet mit einem "sorry, sorry" und den Frühlingsrollen von der Bildfläche. Langsam dämmert uns, dass die Vietnamesen auch das "vegetarian" auf ihren Speisekarten von einigen erfolgreichen Lokalen imitiert haben. Ohne jeden blassen Schimmer, was das sein soll. Halleluja, das kann ja was werden.
Wir wandeln 3 Tage durch die nebelverhangene Stadt, besuchen Museen, essen möglichst specklos und versuchen uns nicht überfahren zu lassen. Ein kleines, feines Highlight ist ein nigelnnagelneuer elektrischer Linienbus, den uns Google Maps als Transportmittel zum Museum of Ethnology vorschlägt. Wir steigen ein, der Busfahrer winkt uns durch, einer von zwei anwesenden Bushelfern geleitet uns zu einem freien Sitzplatz. Mit tiefer Verbeugung nimmt er das von uns passend abgezählte Geld entgegen und druckt uns zwei Fahrkarten aus. Diese überreicht er uns jeweils einzeln wieder mit Verbeugung. Der Bus ist ruhig, sauber, leise und alle Menschen außer uns tragen Masken, was uns beinahe ein wenig unangenehm ist. Es scheint aber keine Pflicht zu sein, zumindest finden wir kein entsprechendes Schild. Dann kommt der zweite Bushelfer und hält uns diskret sein Handy unter die Nase. Dort steht im Google Translator "Wohin möchtet ihr fahren?" Wir zeigen ihm unser Handy mit der über Google Maps herausgesuchten Station. Er nickt und zeigt uns 15 Minuten später auf seinem Handy "Die nächste Station müsst ihr aussteigen". Außerdem werden an jeder Station die aussteigenden Fahrgäste mit Verbeugung und einem Spruch verabschiedet. Nicht nur nach den letzten Borneo-Erfahrungen ist diese Busfahrt ein ganz und gar königliches Erlebnis und Bus E08 bekommt einen festen Platz in unseren Öffi-Herzen. Der Nebel lichtet sich leider während unseres gesamten Aufenthaltes nicht und erst am dritten Tag, nachdem wir vermehrt auch Touristen mit Masken sehen, kommt mir ein Geistesblitz: Was, wenn das gar kein Nebel ist ..? Wir googlen "Vietnam Smog today" und eine Wetterseite zeigt uns die aktuelle Smog-Belastung in Hanoi. Die Farbe ist rot und nennt sich "ungesund". Immerhin gäbe es danach noch lila mit "stark ungesund". Das ist kein Nebel, das ist Smog! Vielleicht erklärt das auch die dezenten Kopfschmerzen seit unserer Ankunft und die fehlende Sonne, die uns der Wetterdienst täglich verspricht und dann nicht liefert? Na toll, nichts wie weg hier, ab aufs Land.
3D section 🔗
Sandakan Teil 2 25.-26.02.2025 🔗
..Exkurs: öffentliche Verkehrsmittel in Borneo..
Zurück aus dem Dschungel waschen wir uns uns unsere stinkigen Klamotten gründlich, schlafen aus und buchen unsere nächsten Reiseschritte. Da es davon nichts Spannendes zu erzählen gibt, widmen wir den heutigen Artikel mal den öffentlichen Verkehrsmitteln in Sabah. Das muss nämlich auch mal raus.
Was wirklich gar nicht funktioniert in Ost-Borneo sind öffentliche Verkehrsmittel. Entweder es gibt sie erst gar nicht, was uns manchmal noch die liebste Option ist - immerhin weiß man dann gleich, woran man ist. Oder es gibt mal einen Überlandbus, den man dann aber gleich von Anfang bis Ende buchen muss. Möchte man auf der Strecke einsteigen, muss man vorab den Busfahrer anrufen, der nicht ans Telefon geht, um ihm zu sagen, wo man am Straßenrand zu stehen gedenkt. Möchte man unterwegs aussteigen, muss man auch das dem Busfahrer bzw. seinem neben ihm sitzenden Helfer beim Einsteigen klarmachen. Dann muss man hoffen, dass der Helfer nicht genau dann sein Nickerchen hält, wenn der Bus am präferierten Stopp vorbeirauscht. Bis man ihn dann nämlich geweckt hat und der Bus zum stehen kommt, darf man den letzten Kilometer wieder zurücklaufen. Das macht viel Spaß mit Gepäck, bei glühender Mittagssonne und an der Schnellstraße.
Immerhin hat die Stadt einen offiziellen Minivan zum Orang-Utan-Zentrum organisiert, der pünktlich eine Stunde vor Beginn der Fütterung losfährt und durch viel Nachfragen in der Stadt sogar auffindbar ist. Schade nur, dass er so häufig hält und so langsam fährt, dass er erst nach Beginn der Fütterung ankommt. Man hat sich stets bemüht.
Ein kleines Highlight noch, dann widmen wir uns wieder den Tieren und Abenteuern: An ungeraden Tagen kann man das Überland-Busticket nur am Schalter und nicht online kaufen. Warum es an geraden Tagen geht, weiß leider niemand. Da der Busbahnhof außerhalb liegt und kein Bus aus der Stadt an den Busbahnhof fährt (wie ein Flughafen ohne Flugzeug quasi), muss man einen Tag vor der gewünschten Fahrt mit dem Taxi zum Busbahnhof fahren, um dort ein Ticket zu erwerben und dann wieder mit dem Taxi zurück zu fahren, um am nächsten Tag dann natürlich mit dem Taxi auch wieder zum Bus zu fahren. Eine logistische Meisterleistung!
Kinabatangan River 23.-25.02.2025 🔗
..dschungelig, dschungeliger, am dschungeligsten..
Zum Abschluss unserer Borneoreise geben wir uns einmal noch so richtig Dschungel. Zu Beginn steht die Überlegung, ob uns ein "Eco Camp" mitten im Dschungel nicht doch eine Spur zu krass ist. Aber lieber sagen wir am Ende "danke, es reicht jetzt" als "schade, dass wir das nicht gemacht haben". Deshalb geht es für 3 Tage ins Camp. Beim Check-in werden wir gefragt, ob wir uns Stiefel ausleihen möchten. Wir antworten, dass wir mit unseren Turnschuhen bisher ganz gut zurechtgekommen sind und die Sache ist abgehakt. Als uns unser Guide in Empfang nimmt, sagt er, wir sollen noch Stiefel ausleihen. Es klingt nicht mehr wie eine Frage, eher wie ein Fakt, der noch umzusetzen ist. Da uns das genau einen Euro pro Person kostet, stimmen wir gütig zu. Meinetwegen gebe man uns eben irgendwelche Stiefel. Zugänglich ist das Camp nur per Boot. Dann folgt noch ein fünfminütiger Trampelpfad durch wadenhohen Schlamm. Dass wir ohne die Gummi(!)stiefel nicht mal ins Camp hineingekommen wären, hatte man uns an der Rezeption irgendwie verschwiegen. Wir wohnen in einer dreieckigen Holzhütte auf Pfählen, in die eine Matratze mit Moskitonetz und unsere beiden Rucksäcke passen. Unter der Hütte befindet sich das Bad. Das besteht aus einem kieseligen Boden, um den vier Wellblechwände aufgestellt sind. Es gibt ein Waschbecken, ein Klo und einen sehr großen Kanister voller Wasser mit einer großen Kelle. Das ist die Dusche. Bei unserer Ankunft schwingen sich Affen über die Hütte. Auf "ach, toll" folgt schnell "hier riecht es nach Kacke" und "lass mal in die Hütte gehen, hier fliegen die Äste". Wir sind also wirklich mitten im Dschungel gelandet. Auf unseren Nachtwanderungen schwirren Millionen von Stechmücken um uns herum und wir sprühen uns mehrmals täglich mit dem aggressivsten Mückenschutz ein, den der Markt hergibt. Davon bekommen wir beide Ausschlag, und gestochen werden wir trotzdem. Nachts liegen wir wach, weil ein Vogel oder Affe mit einem Affen oder Krokodil kämpft (wir sind uns nicht sicher), bis einer ins Wasser fällt; dann ist Ruhe, bis die nächsten Affen schreien, Vögel kreischen und um 5.30 der Wecker für unseren Tagesausflug klingelt. Vom Boot aus sehen wir Nasenaffen, Makaken und Scharen von Nashornvögeln, am zweiten Tag sogar 2 richtige, wirkliche, echte Krokodile. Wir besichtigen ein wiederaufgeforstetes Waldstück, das den Orang-Utans ihren durch Ölpalmplantagen zerstörten Lebensraum wieder erweitert und pflanzen einen symbolischen Baum. Bei einer Nachtwanderung sehen wir Frösche und riesige Spinnen und bleiben manchmal fast im Matsch stecken. Und an einem morgen sitzt ein wilder Orang-Utan in den Bäumen am Rande des Camp und lässt sich in Ruhe beobachten. Am letzten Tag regnet es in Strömen, sodass nicht nur unsere letzte Bootsfahrt ins Wasser fällt, sondern Frans auch noch tapfer über eine Stunde an der Schnellstraße im gelben Regencape ausharrt, um nach jedem Bus zu winken, der dann leider doch vorbeifährt. Während ich die schlimmsten Regengüsse unterm Dach verbringe, hält er Ausschau nach einem Bus, der nicht kommen wird. Ab und zu schüttelt er seine Brille ab, weil er vor lauter Wasser nichts mehr sieht und regelmäßig winkt er fröhlich Schulkindern zurück, die in trockenen Autos an ihm vorbeirauschen. Als wir uns schon eine Alternative zum ewigen Warten überlegen wollen (aber was ist eigentlich die Alternative, wenn man im Nirgendwo steht und der Bus nicht kommt), hält dann doch noch ein klappriger Minivan, der uns für viel zu viel Geld die gut 2 Stunden nach Sandakan zurückfährt. Die Dschungeltour war auf jeden Fall eine gute Entscheidung und ein richiges Abenteuer und zugleich sind wir nun dschungel-technisch bei "danke, es reicht jetzt" angekommen. Mal schauen, was unser nächstes Reiseziel von uns abverlangt.
Sandakan Teil 1 20.-23.02.2025 🔗
..Orang-Utans Teil 2 ..
Sandakan ist so ein Ort, den man sich auch sparen kann. Wir sind hier, weil er eine weitere Möglichkeit bietet, in der nahegelegenen Rehabilitations-Station Orang-Utans zu sehen und liegt auf dem Weg zu weiteren Dschungel-Abenteuern.
Die Orang-Utans sind hier noch mehr daran gewöhnt, zweimal täglich ihre Futterplattform zu besuchen und hinter Glas kann man die Aufzucht der verwaisten und verletzt aufgefundenen Jungaffen sehen. Die Anlage ist groß, gut organisiert und Sichtungen sind diesmal garantiert. Irgendwie war es beim ersten Besuch aber eindrucksvoller, als man nicht wusste, ob und wann die Affen erscheinen und sie sich dann aus dem Wald durch die Bäume herangeschwungen haben. Beeindruckend und süß sind sie trotzdem und besonders die Babys sind richtige Entertainer. Wir wiederholen uns, aber ihr müsst euch noch ein paar Affenbilder ansehen. Zwischen den beiden Fütterungen laufen wir im nahegelegenen "Rainforest Discovery Center" fast ganz alleine durch die Baumwipfel und entdecken Nashornvögel, die durch die Luft gleiten, Blasse Riesenhörnchen, die überhaupt nicht blass sind und eine kleine Gottesanbeterin, die sich vor unseren Augen einen Snack fängt. Also ein sehr lohnenswerter Tagesausflug, trotz der Irrungen und Wirrungen des öffentlichen Verkehrs. Dem werden wir demnächst mal einen eigenen Artikel widmen..
Kinabalu Park 18.-20.02.2025 🔗
..Ohne Untertitel..
Da Frans mir meinen präferierten Untertitel nicht freigegeben hat, gibt es diesmal einfach keinen. Dabei ist ihm eine fliegende Eidechse in den Nacken geflattert und er hat sich einen Blutegel angelacht, weshalb "Frans wird angefallen und verliert Blut" einfach fantastisch gepasst hätte. Ganz so dramatisch war es natürlich nicht, nur die Anfahrt nach Poring, wo sich einer der Eingänge in den Kinabalu (National) Park befindet, lief etwas anders als geplant. Wir wollten einmal entspannt und ohne Stress einfach an die Bushaltestelle gehen und ins nächste Gefährt in die gewünschte Richtung steigen und stehen um 10h am Busbahnhof, von dem in den nächsten Stunden leider weder ein Bus noch Minivans fahren. Die Wahl zwischen 5h in der Hitze am Bahnhof stehen und mit dem nächstbesten Taxifahrer verhandeln, fällt auf die bequemere Variante. Und so fahren wir 3 Stunden (!!!) mit einem Taxifahrer in die Berge. Der gute Mann kann sein Glück kaum fassen und scheint sich auf den Ausflug sehr zu freuen. Er ruft mehrere Freunde und Bekannte während der Fahrt an und erzählt von seiner Destination und wir dürfen für ein Foto mit ihm posieren. Kurz vorm Ziel machen wir eine Verschnaufpause, damit er ein paar Minuten kühle Bergluft schnuppern und weitere Fotos und Videoanrufe machen kann. Auf den letzten 500m gibt Google Maps die Navigation auf und er biegt mehrmals in kieselige Seitenstraßen ein, aus denen er dann rückwärts wieder zurückkurven muss, bis wir uns zur richtigen Lodge durchgefragt haben. Dort fährt er uns kurzerhand direkt durch den Garten bis zur Veranda, um dort noch einen kurzen Plausch mit der Besitzerin zu halten. Nachdem er uns inklusive Gepäck übergeben hat, zieht er strahlend von dannen. Bestimmt zur nächsten Kaffeepause mit Bergblick. Wir verbringen den nächsten Tag im Nationalpark auf einem wackeligen Baumwipfelpfad und bei einer schweißtreibenden Wanderung zu einem über 100m hohen Wasserfall. Wir sehen beeindruckende Insekten, richtig viele Schmetterlinge und besagte fliegende Eidechsen und Blutegel. Ein paar Eindrücke davon seht ihr auf den Fotos und ganz unten für starke Nerven auch auf einem Insektenvideo.
Kota Kinabalu 15.02.-18.02.2025 🔗
..Krodkodile!!..
Von unserem Baumhaus zwischen Strand und Dschungel konnten wir uns nur schwer losreißen, da die nächste Etappe aber schon gebucht war, ging es letztendlich doch irgendwie. Die letzten 3 Tage haben wir in Kota Kinabalu verbracht. Die Stadt ist unser Ausgangspunkt für Unternehmungen im östlichen Bundesland Borneos, Sabah. Hier gibt es kaum öffentliche Verkehrsmittel, sodass wir dem Tourismuszentrum gleich 2 Besuche abgestattet haben, um die weiteren Stationen fachfraulich zu planen. Außerdem roch es dort nach Massagestudio und war angenehm klimatisiert, was für uns Grund genug für einen kleinen Abstecher ist. Ansonsten hat Kota Kinabalu ("KK") nicht sonderlich viel zu bieten, oder wir sind schon zu verwöhnt mit tollen Orten. Das Meer stinkt ein bisschen, über den Markt laufen lachende, aber verlotterte Kindergangs, die einzigen Sehenswürdigkeiten werden gerade renoviert und montags, als wir Zeit und Muße hätten, hat das Museum geschlossen. Zum ersten Mal in Malaysia werden wir vor Taschendiebstählen gewarnt.
An unserem ersten Abend zahlen wir zu viel Geld für mittelmäßiges Essen und einen künstlich schmeckenden Limettensaft. Immerhin kommt es unmittelbar davor zur sogenannten Krokodil-Sichtung, die es sicherlich in die Top 10 unserer Reisehighlights schaffen wird. Auf der ersten Erkundungstour in der neuen Stadt zieht es uns zuerst an die Waterfront, eine große Holzterasse direkt am Meer mit vielen Bars, Restaurants und toller Aussicht auf Inseln und Fischerboote. Dort beobachten wir einen großen, weißen Vogel übers Wasser fliegen. An einer bestimmten Stelle springen unter ihm einige Fische aus dem Wasser, anscheinend bieten sie sich ihm freiwillig als Snack an. Nachdem die nächste Welle vorbeigeschwappt ist, schnappt an der gleichen Stelle ein Krokodilmaul nach den Fischen. Immer wieder zeigen sich im Tal zwischen zwei Wellen der Rücken und das Maul des Reptils aus dem Wasser. Da es unsere erste Krokodil-Sichtung ist, schieben wir uns aufgeregt zwischen den an der Terrassenbrüstung stehenden Tischen vorbei und Frans stellt die Kamera scharf. Ganz fasziniert sehen wir dem Krokodil beim Dinner zu und sprechen den Fischen nun ihren Selbsterhaltungsdrang vollends ab. Sie könnten ja auch mal wegschwimmen, anstatt sich Vögeln und Krokodilen auf dem Silbertablett zu präsentieren. Je länger wir zuschauen, desto immobiler wird das Krokodil, bis es sich gar nicht mehr bewegt, sondern nur noch zwischen den Wellen kurz aus dem Wasser schaut. Eigentlich sieht es auch gar nicht so sehr wie ein Krokodil aus, sondern wie ein Stein, der je nach Höhe der einzelnen Wellen mal mehr, mal weniger aus dem Wasser herausschaut. Wer hat die Fische vorhin eigentlich springen sehen? Auch das wohl nur der erste Blick auf denselben Stein, als dieser direkt unter dem Vogel kurz aus dem Wasser blitzte. Hat das gerade jemand mitbekommen, als wir unsere Krokodil-Sichtung gefeiert und uns extra dafür zwischen den Tischen durchgedrückt haben? Haben wir "Krokodil" deutlich genug gesagt, sodass man es auch in anderen Sprachen versteht? Wie lange stehen wir jetzt hier rum und filmen diesen Stein? Wobei ... eigentlich stehen wir hier nur, um uns die Fischerboote anzuschauen. Und die Inseln da vorne. Schau mal, noch so ein Vogel. Und eigentlich wollten wir uns doch einfach nur genau hier an diesen Tisch setzen und etwas bestellen. Tun wir mal so, als sei das so geplant. Einmal künstlichen Limettensaft und ein Linsengericht ohne Linsen bitte, wir zahlen gerne auch reichlich.
Kuching & Umland Teil 2 - 10.-15.02.2025 🔗
.. Plumploris ..
Plumploris gehören zu den Feuchtnasenprimaten. Sie sind nachtaktiv, langsam, man will sie knuddeln und sie leben auf Bäumen. Bevorzugt hängen sie an Lichterketten. Ist es nicht fantastisch, welche Bezeichnungen sich die Menschen für verschiedene Tierarten ausgedacht haben? "Also das hier, sieht ein bisschen aus wie ein Affe, aber irgendwie ist es so langsam... und süüüß... das nennen wir jetzt mal Lori. Und schau mal, der da ist ja voll dünn, den nennen wir Schlanklori. Und der da ist winzig, den nennen wir Zwerglori. Und der da - hoppla, jetzt ist er fast vom Baum gefallen - bisschen ungeschickt der Gute, den nennen wir Plumplori". So ähnlich muss es wohl gewesen sein.
Wir haben uns die letzten Tage auch allmählich in Plumploris verwandelt. An Lichterketten können wir nicht entlanghangeln und nachtaktiv sind wir auch nicht, aber zumindest das mit dem "plump" passt ganz gut. Eine Stunde außerhalb von Kuching haben wir eine Hütte gemietet, im Regenwald und direkt am Strand, der sogar schwimmtauglich ist, d.h. ohne Krokodile, Seeigel und sonstige Unannehmlichkeiten. Dass man durch die Strömung gar nicht so gut wieder an Land kommt, ohne an einem Felsen zu zerschellen, mal ausgenommen. Aber gut, wir sind ja noch hier. Bei Ankunft erwähne ich einer Intuition folgend an der Rezeption beiläufig, dass wir die große Hütte für 4 Personen im Dschungeldickicht nur deshalb gemietet habe, weil nichts anderes online verfügbar war. Der junge Rezeptionist wird ganz aufgeregt und meint, er müsse sich mit seinem Manager besprechen. Zurück von seiner Besprechung strahlt er wie ein Honigkuchenpferd und wir werden im wahrsten Sinne des Wortes in ein Baumhaus "upgegradet", und zwar in das mit der besten Aussicht, ohne Aufpreis. Wir freuen uns natürlich sehr, aber er freut sich mehr, sodass ihm die Nerven versagen und er seine Kollegin zur Hilfe rufen muss, um den Rest unseres Check-ins zu erledigen. Breit grinsend und irgendwie glücklich verschämt steht er hinter ihr und folgt der Prozedur stumm. Wir hoffen natürlich, dass er seine Fassung nach unserem Abzug schnell wieder gefunden hat, um noch weitere Gäste und sich selbst beglücken zu können.
Es muss die Kombination aus der steilen Treppe zum Baumhaus und der Aussicht auf Palmen, Strand und das Meer sein, die uns nach unserer Ankunft fast augenblicklich in Plumploris transformiert. Wir begehen zwar noch einen Dschungel-Trail, der es in sich hat, dann aber verbringen wir die Tage abwechselnd lümmelnd und liegend auf der Terrasse und am Strand. Selbst vom Bett aus sieht man die Bäume und hört das Meer, wozu überhaupt aufstehen? Ab und zu schlurfen wir ins Restaurant, um unser selbst kreiiertes Gericht Gebratenen Reis mit Pommes zu genießen. Auf der Karte gibt es keine vegetarischen Gerichte und so friemeln wir einfach ein bisschen herum, das bitte nicht, dafür dann eben davon, bis "Nasi Goreng French Fries" entsteht. Wir verlängern eine weitere Nacht und fotografieren Tiere, die sich rund ums Baumhaus tummeln. Es fühlt sich an wie Urlaub von der Reise und wir reden uns ein, dass man das nach einem Monat Reise auch mal braucht. Außerdem geht es noch heute Abend weiter zur nächsten Destination und da warten wieder Spannung, Spaß und Action auf uns.
In Kuching haben wir übrigens noch einen Kochkurs gemacht, der uns großen Spaß und einen Nachmittag im Futterkoma beschert hat. Viele malayische Gerichte lassen sich ganz original einfach ohne Hühnchen zubereiten, sodass man fleischlos nicht auf den exotischen Geschmack verzichten muss. Alle, die es bis hier auf dem Blog geschafft werden, dürfen sich von uns gerne mal malaysisch bekochen lassen, wenn wir wieder zurück sind. Bis dahin überlegen wir uns, wie man Dschungelfarn, Ingwerblume und Goabohnen am besten ersetzen kann.
Kuching (Borneo) & Umland Teil 1 - 05.-10.02.2025 🔗
.."ähm, seit wann haben wir eigentlich keine Angst vor Wildschweinen?"..
Wir sind "durch" mit dem malayischen Festland und steuern unser nächstes Ziel an, auf das wir uns schon seit Wochen freuen: Borneo. Das nördliche Drittel der drittgrößten Insel der Welt gehört ebenfalls zu Malaysia, sodass wir nicht mal den Staat wechseln. Bei der Landung regnet es zum ersten Mal seit vielen Tagen wieder und das soll auch die kommenden Tage häufiger vorkommen. Ein kundiger Guide im Nationalpark erklärt uns völlig ironiefrei: "Here is a lot of rain and there is the forest, this is why it's called rainforest". Hätte sich dieses Mysterium auch endlich mal geklärt..
Im Flughafen steuern wir zuerst die Information an, um nach dem Shuttlebus zu fragen, von dem wir Spuren im Internet gefunden haben. "Bus? We don't have a bus here. We use taxi". Na gut, die 11km bis in die Stadt sind selbst uns zu weit zu Fuß und so steigen wir zum ersten Mal auf dieser Reise in ein Taxi ein.
Kuching ist eine unaufgeregte Stadt und gefällt uns daher sehr gut: weniger Verkehr, mehr Ruhe, einige wenige Sehenswürdigkeiten und Museen, eine Straße mit hübschen Cafés und Restaurants, viele davon sogar mit veganem Angebot. Da uns zudem unser Hotel gut gefällt, beschließen wir die Stadt zu unserer Basisstation zu machen und von hier aus einige Ausflüge zu unternehmen.
Ein richtiges Highlight wird unser zweitägiger Aufenthalt im Bako Nationalpark, bei dem es zu aller Verwunderung keinen Tropfen regnet. Dafür steigen wir erneut in ein Taxi und nach einer Dreiviertelstunde in ein Boot um. Da ich, Stina, natürlich vorbildlich informiert bin, ziehe ich mir dafür meine Schlappen an. Schließlich habe ich gelesen, dass man nach der Bootsfahrt noch über den Strand waten muss. Wäre ich noch ein bisschen schlauer, hätte ich mir dann auch gleich eine kurze Hose angezogen, dann hätte ich nicht so ausgesehen wie auf dem Foto unten.
Auf den etwa 100m Weg zwischen dem Headquarter, in dem wir uns registrieren und unserer Unterkunft steht plötzlich ein großes schwarzes Tier vor uns. Ich laufe einfach weiter, während Frans stehen bleibt und fragt: "Ähm, seit wann haben wir eigentlich keine Angst vor Wildschweinen?" Durch meine Vorab-Recherche weiß ich: "Das ist doch nur ein Bartschwein, die machen dir nichts." Und tatsächlich scheint sich das Tier ausschließlich für am Boden schnüffeln zu interessieren.
Der Hauptgrund für unseren Besuch im Nationalpark sind allerdings die dort frei lebenden Nasenaffen. Und so ignorieren wir das wilde Schwein erstmal und machen uns auf ins Innere der Halbinsel. Bis auf die fehlenden Stufen fühlen wir uns an Penang Hill erinnert: Es ist sehr heiß, es ist sehr schwül und wir schwitzen sehr viel. Nach 3 Stunden Wanderung und steifem Nacken durch das Abscannen der Baumwipfel zählen wir die bisher gefundenen Tiere: ein paar Makaken am Headquarter, 1 Eidechse, 1 Vogel, viele Ameisen, viele Termiten, eine rote Libelle, ein Wildschwein. Wir sprechen es zwar nicht aus, aber wir wollen gefälligst Affen sehen! Stattdessen loben wir die interessante Natur und gönnen uns im Headquarter eine kleine Kaffeepause. Nicht zu lange allerdings, um am Nachmittag einen weiteren Trail zu begehen und den Affen noch eine Chance zu geben. Und diese wissen sie zu nutzen: Nach Kurzem schon sehen wir in den Baumwipfeln endlich zwei Nasenaffen turnen. Ziemlich weit weg und in rasantem Tempo, sodass wir die Nasen gar nicht sehen können, aber immerhin. Am Ende des Weges dann sehen wir noch 2 am Strand sitzen, endlich so nah, dass wir sie anhand ihrer Nasen wirklich identifizieren können. Was sich die Natur dabei wohl gedacht hat..
Kurz nach der Sichtung geschieht dann ein kleines Drama: Frans Kamera gibt den Geist auf. Von der einen Sekunde auf die andere schließt sie ihren Shutter und wird ihn wohl nie wieder öffnen. Bei den Nasenaffen, im Nationalpark, eine kleine Katastrophe! Aber wir haben die Affen gesehen und auch ein paar Bilder geschossen, immerhin. Am Abend rund ums Headquarter setzt der Dschungel dann nochmal einen drauf: die Nasenaffen tummeln sich in den Bäumen, Silvery Lutung Affen flitzen durch die Büsche und mehrere Wildschweine ziehen durch den Sonnenuntergang am Strand entlang. Wir hätten uns also gar nicht kilometerweit durchs Dickicht schlagen müssen, sondern einfach an unserer Unterkunft abwarten können. Aber ausnahmsweise mal laufen tut uns natürlich auch mal gut!
Abends machen wir noch eine Nachtwanderung mit und finden mit Hilfe der Guides zusätzlich noch mehrere Schlangen ("please be careful, it's very poisonous [..] game over"), riesige Gespensterheuschrecken, Spinnen mit Hörnern, schlafende bunte Vögel und blinkende Glühwürmchen. Trotz der vielen Tiere sind wir froh, als wir nach 90min umkehren und fallen völlig erledigt ins Bett.
Am nächsten Tag wandern wir noch an einen Strand und besteigen einen Berg (die Frage "Warum machen wir das eigentlich?" kommt diesmal übrigens vom triefenden Frans, siehe Foto) und fahren mittags mit Boot und Taxi wieder zurück nach Kuching.
Dort steht am nächsten Tag gleich ein weiterer Ausflug auf dem Programm: frei lebende Orang-Utans sehen. Im Semenggoh Nationalpark leben ehemals gefangen gehaltene, verwundete oder verwaiste Orang-Utans wild und frei im Wald, bekommen aber zweimal täglich Früchte auf einer Plattform angeboten. Wenn sie mögen, kommen sie sich diese dann abholen. In der Regenzeit = Früchtezeit, also leider genau jetzt gerade, lassen sie sich allerdings nicht täglich blicken, weil sie im Dschungel genügend Früchte finden. Insofern betreten wir um 8h mit gedämpften Erwartungen den Nationalpark und schauen sehr lange einem Hörnchen dabei zu, wie es die Futterplattform für die Affen plündert. Um 10h schließt der Park bis zum Nachmittag und trotz der durchgehenden Affenrufe der Wärter lassen sich die Orang-Utans leider erstmal nicht blicken. Am Vortag sind sie wohl vormittags auch nicht gekommen, sodass Frans um Viertel vor 10h vorschlägt den Rückweg anzutreten. Kurz darauf wackeln die Bäume, die Äste biegen sich und ein riesiger, orangener, zotteliger Kerl hängt plötzlich dort und schaut zu uns kleinen Menschen rüber. Der Anblick ist schon in der Entfernung beeindruckend und umso mehr, als sich der Affe vor unseren Augen auf der Plattform über eine Frucht und ein Tetrapack Kondensmilch (wir wissen bis heute nicht, was es damit auf sich hat) hermacht. Kurz darauf folgen aus anderen Richtungen sogar noch 4 weitere Orang-Utans, darunter eine Mutter mit Baby. Die Parkwächter verlängern unsere Aufenthaltsdauer im Park netterweise um eine halbe Stunde, damit wir das Spektakel genießen können. So viel Glück wie in den letzten Tagen kann man kaum toppen.
Wir haben hier noch ein paar Tage verlängert und zeigen euch in Teil 2 in Kürze, was wir noch so erleben.
Georgetown 01.02.-05.02 🔗
.. wenn dir ein Hügel zu hoch ist, besteige einen anderen..
Die letzten 5 Tage haben wir in Georgetown verbracht, einem netten Städtchen auf der Insel Penang, im gleichnamigen "Bundesland". Ja, wir sind übrigens noch in Malaysia :) Sollten wir das Land wechseln, werden wir es an dieser Stelle erwähnen. Um es euch noch etwas einfacher zu machen uns geographisch einzuordnen, hat Frans kleine Karten gebastelt, die wir versuchen zeitnah zu den Artikeln zu ergänzen.
Georgetown hat besonders viel Streetart zu bieten. Nach ein paar Versuchen (immer springt jemand ins Bild und versucht eine besonders geistreiche Pose) schaffen wir es, euch ein Bild von der bekanntesten Wandmalerei zu knipsen: den 2 Kindern auf dem Fahrrad. Das kann man auch in Deutschland häufiger mal auf Postkarten finden. Uns fällt auf, dass es in Georgetown wieder mehr westliche Touris gibt, also bleiche Menschen mit Birkenstocksandalen, was vermutlich am internationalen Flughafen liegt. Dies zeigt sich auch an der Dichte schicker Cafés und Restaurants mit "westlichem Standard". Wir schaffen es gleich am ersten Tag 14€ für Kaffee und Kuchen auszugeben - damit sind wir in letzter Zeit beinahe den ganzen Tag ausgekommen. Wir schauen also ab sofort wieder auf die Preise in der Karte und rechnen um. Dabei bemerken wir auch, dass wir uns schon ans niedrige Preisniveau gewöhnt haben ("6€ für ein Mittagessen, ist das mit Blattgold??").
Geplant ist ein Wandertag mit Besteigung des 800m hohen Penang Hills. Danach soll eine der größten Tempelanlagen besichtigt und vielleicht noch die Botanischen Gärten durchlaufen werden. Dafür wird sogar mal wieder der Wecker gestellt und nach einigen Verzögerungen ("Ähm, brauchen wir vielleicht mehr als 0,5l Wasser für die Tour?" "Und was zu essen?" "Wo fährt denn jetzt dieser Bus") starten wir immer noch am Vormittag die lächerliche Hügelbesteigung. Nach den ersten Schritten, noch vor dem Startpunkt des Wanderweges bei ca. 25m Höhenmetern, sind wir allerdings schon klitschnassgeschwitzt. Wir können es leider nicht ganz rekonstruieren, aber es müssen an diesem Tag etwa 80 Grad und 120% Luftfeuchtigkeit geherrscht haben. Der Wanderweg besteht aus einer unendlich langen Aneinanderreihung von Stufen. Wann immer möglich, stütze ich mich am Geländer ab. Auf den Abschnitten ohne Geländer frage ich mich, ob ich die Stufen eigentlich bewusst oder zufällig mit den Füßen treffe. Und wie es eigentlich so heiß sein kann, und ob ich schon mal etwas Anstrengenderes in meinem Leben gemacht habe. Außerdem zittern meine Beine, mein Magen rumort und die Bäume schwanken- oder bildet man sich so etwas nicht schnell ein, um einen vernünftigen Grund zum Aufgeben zu haben?
Regelmäßig saust eine Zahnradbahn an uns vorbei den Berg hinab oder hinauf. Ich möchte zwar nicht mit den Menschen tauschen, die dort in nur 5 Minuten für Aussichtsphotos auf den Gipfel gebracht werden, aber an meiner Stelle will ich mittlerweile auch nicht mehr sein. Noch vor der "middle station" ist mir klar, dass ich diesen Hügelgipfel heute nicht erreichen werde. Als dort dann allerdings ein paar mit Röcken und Handtaschen bekleidete Damen an uns vorbeimarschieren, hadere ich sehr mit meiner Entscheidung. Wenn die das können, kann ich das ja wohl auch / Wie weit fällt man eigentlich, wenn man mal eine Stufe nicht erwischt / Das ist nicht mal ein Berg, das ist ein Hügel / irgendwie wabbeln die Stufen ein bisschen wie Gummi / ... Die Hügelbesteigung abbrechen zu müssen fühlt sich wie Versagen an und irgendwie auch schwieriger als einfach weiterzulaufen. Aber Kopf auf Stein wegen "eigene Grenzen nicht kennen" klingt auch ganz schön dämlich. Nach einigem Ausruhen, Abwägen und Schimpfen wird dann die Entscheidung zum Abstieg getroffen. Immerhin überholen uns die beiden berockten Taschenfrauen nach kurzer Zeit auch hier wieder - weit hinauf können sie in der Zeit nicht gekommen sein.
Stattdessen schauen wir uns dann eben noch "kurz" den großen Tempel an. D.h. nur 1,5km Fußmarsch später in der glühenden Mittagshitze stehen wir am Fuß der gigantischen Anlage.
Mal wieder sind wir die einzigen, die zur 30m hohen Buddha-Statue auf dem obersten Punkt der riesigen Anlage laufen, alle anderen fahren mit dem Bähnchen. Das letzte Stück führt pittoresk neben den Autos auf dem Weg zum Parkhaus entlang. Der Betonboden reflektiert das gleißende Sonnenlicht so schön, dass wir den Parkplatzwart, der das Ende des Weges und damit den Eingang zur Buddha-Statue markiert, erst für eine Fata Morgana halten. Der verdutzte Mann hätte uns sicher nicht weniger ungläubig geschaut, wären wir statt zu Fuß auf Kamelen an ihm vorbeigeritten. Am Ziel angekommen genießen wir dann zum 2. Mal an diesem Tag die Aussicht und beschließen, dass das nun wirklich genug war für einen Wandertag.
Pulau Pangkor 28.01.-01.02. 🔗
.. der Tag, an dem Frans zum Reiseführer greift..
[...] taking your mind off things is as easy [at Pulau Pangkor] as the swaying trees, lapping waves and pristine sandy beaches lull you into deep relaxation. It's definitely an island you won't want to miss.
- Lonely Planet -
Als wir nach etwa 2-stündiger Busfahrt und 30min Fähre auf der Insel Pangkor ankommen, fallen uns zuerst die etwa 50 pinken Taxen ins Auge, die entlang des Piers auf die Ankommenden warten. Etwa genauso viele Taxifahrer versuchen mit lautem Rufen auf sich und ihre Gefährte aufmerksam zu machen. Wir winken dankend ab und nehmen den Seitenausgang, natürlich werden wir wie eigentlich immer zu Fuß oder öffentlich in unsere Unterkunft gelangen. Außerdem sagt uns Google, dass es nur 12 Minuten Fußweg bis dahin sind. Mit der Gewissheit, dass die Taxi-Armada das wildeste war, das uns in den nächsten 4 Tagen begegnen wird, treten wir auf die Straße und werden sofort eines Besseren belehrt: ein nicht endender Strom an Motorrollern, Autos und Taxen donnert die kleine Straße entlang, die in nur wenigen Kilometern die Insel umrundet.
Bürgersteige gibt es nicht und selbst das überqueren der schmalen Spuren gestaltet sich selbst nach den bisher bereisten großen Städten als neue Herausforderung. Es ist wahnsinnig laut, gefühlt fahren alle nach Gefühl, es stinkt nach Benzin und wir fragen uns nach den ersten Metern, ob wir uns in der Insel vertan haben. Bis zur Unterkunft wird es nicht besser, eine Horde knatternder Zweiräder saust an uns vorbei, die zumeist mit 2-4 Personen besetzt sind. Nachdem wir die Unterkunft erreicht haben, die mit nennen wir es einfachem Charme glänzt, fragt Frans zum ersten Mal nach unserem Reiseführer. Anschließend wird zusätzlich noch das Internet befragt und alle sind sich einig: Pangkor ist ein verschlafenes Paradies. Der Abend geht mit der Suche nach etwas Essbarem weiter. Leider scheint alles geschlossen, bis auf einen Straßenstand, der uns nach kurzem Austausch ("Nasi goreng, but please no meat, no chicken/no ayam, no fish/ no ikan, only rice / only nasi, okay, thank you") seinen besten Hühnchenreis serviert. Erschöpft legen wir uns früh "schlafen", um irgendwann festzustellen, dass Chinesisches Neujahr am Folgetag ja auch bedeutet, dass am Vortag, also heute, Chinesisches Silvester ist.
Und sie lassen es ordentlich krachen: Böller, Raketen, ganze Batterien von Knallern durchziehen die Nacht. Abwechselnd zucken wir zusammen und irgendwann bekommen wir einen Lachanfall: oh, du verschlafenes, paradiesisches Pangkor!
Die nächsten Tage werden dann unerwartet doch ganz schön. Die Chinesen ballern zwar weiterhin jeden Abend, was das Zeug hält und die Motorroller werden weder weniger noch leiser, aber wir legen uns an den Strand, von dem aus man die Straße nicht mehr hört, entschließen uns das Zufußgehen auf der Insel einzuführen, in dem wir unseren Platz entlang der Markierung am Straßenrand reklamieren und erkunden einen versteckten Strand, der nur durch einen Spazierweg durch den Dschungel zugänglich ist. Und wir erklimmen einen bunten, chinesischen Tempel, der einen Blick von oben über die Insel bietet. Wir finden einen Inder, bei dem wir Frühstück bekommen und einen anderen Inder, der wenige aber vegetarische Speisen anbietet. Davon sind immer nur etwa 1-2 verfügbar, aber wir nehmen, was man uns so anbietet - solange kein Hühnchen drin ist :)
Ipoh 26.-28.01.2025 🔗
Thunderbolt and Lightning, very very frightening me!
Wann kümmert man sich eigentlich um einen Blog, wenn man doch mit Reisen, Besichtigungen, Erkundungen und der Suche nach dem nächsten lokalen Gericht mit beschäftigt ist? Zum Beispiel wenn es draußen schüttet, blitzt und gewittert - so wie jetzt gerade - und man sich das heute frisch gekaufte Buch lieber für die morgige Busfahrt oder die nächsten Tage Inselleben (hoffentlich ohne Regen!) aufheben möchte. Außerdem bemerken wir selbst, dass wir in gerade mal 2 Wochen schon eine Menge erlebt haben und damit die Erinnerungen möglichst lange bleiben, scheint ein wenig Dokumentation sinnvoll.
Die letzten beiden Tage haben wir in Ipoh verbracht. Nachdem wir die Serpentinen der Cameron Highlands wieder heruntergekurvt sind, haben wir die Fließjacke und Socken wieder ganz unten im Rucksack verstauen können. Die Stadt wirbt mit einem "Heritage Walk": mit Hilfe einer Karte aus der Touri-Info kann man in 30 Stationen laufend die Stadt erkunden. Die ersten 5 haben wir gemeistert, dann kamen die Hitze, Kaffeedurst und "was, schon wieder ein Bankgebäude?" bzw. "also die Moschee sieht man ja auch von hier, da müssen wir ja nicht extra hin laufen" zusammen und wir haben ein bisschen abgekürzt. Schließlich haben wir gestern bereits eine Führung im Hakka - Museum absolviert, die wir ganz vorausschauend vorab gebucht hatten. Hakka bezeichnet die aus China stammende Gruppe von Arbeitern (in der Zinn-Mine) und :innen (beim Schöpfen des Zinns aus den Flüssen), die Ipoh zu seinem Ruf als "Weltstadt des Zinns" vor etwa hundert Jahren verholfen haben. PS: Wir haben versucht gut aufzupassen, trotzdem übernehme ich keine Garantie für die Richtigkeit dieser Angaben.
Ansonsten ist spürbar, dass das Chinesische Neujahr vor der Tür steht, da wir heute bei der Suche nach Mittagessen ein paar mal vor verschlossener Tür standen. Übermorgen wird das Jahr der Schlange eingeläutet und die chinesischstämmige Bevölkerung feiert dies ähnlich wie wir Weihnachten mit geschlossenen Läden und im Kreis der Familie. Für uns bedeutet das momentan reichlich indisches Essen und bald vermutlich viele schöne Fotos für euch.
Tanah Rata in den Cameron Highlands 23.-26.01.2025 🔗
Gestern ist uns Fitzcarraldo von Werner Herzog eingefallen. Der Film und fast noch mehr die dazugehörige Doku sind absolut empfehlenswert. Es geht darin um das schwierige Unterfangen ein Schiff im tiefsten Dschungel an eine schwer zugängliche Stelle zu bringen. Im Film wie auch beim Dreh wurde das Schiff dazu streckenweise an Seilen über Land gehievt. Nachdem wir gestern eine etwa 3-stündige Trekkingtour durch dichten Dschungel, über Wurzeln, Leitern, gebückt, auf dem Hintern gemacht haben - und das mit Hilfe von digitaler Navigation auf zumindest rudimentär ausgebauten Wegen - scheint der gute Werner Herzog gleich noch eine Spur verrückter. Mit Pfeil und Bogen wurde auf uns nämlich auch nicht geschossen und am Ende erreichten wir eine Teeplantage, auf der wir mit Getränken und Scones wieder aufgepäppelt wurden.
Die Cameron Highlands sind Malaysias Hochland und bieten neben Teeplantagen und Dschungel auch Erdbeerfarmen und Bergdorf-Feeling. Wir genießen die kühleren Temperaturen und probieren uns durchs lokale Obstangebot und indisches Frühstück.
Kuala Lumpur 20.-23.01.2025 (dt: "Zum Lumpigen Koala") 🔗
Kuala Lumpur heißt "schlammige Flussmündung". Nachdem wir gerade unsere letzten drei Tage verbracht haben, bleibt die Frage offen, wo der dazugehörige Fluss ist. Wir haben ihn entweder übersehen oder er wurde in die unansehnlichen Kanäle verbaut, über die man hier hin und wieder stolpert.
Präsenter sind allerdings die riesigen Wolkenkratzer, bei denen die Petronas Towers (die höchsten Zwillingstürme der Welt) und der Merdeka 118 (das zweithöchste Gebäude der Welt) fast unter der Vielzahl untergehen. Uns hat es super gefallen, weil man so richtig ins Leben vor Ort eintauchen kann.
Indisches Frühstück am Straßenstand, mit dem Monorail ins nächste Viertel düsen und sich in gigantischen Shoppingmalls verlaufen (jedes einzelne Mal!) und täglich mindestens ein Mal Nasi Goreng (gebratener Reis).
Heute haben wir uns dann die Batu Caves angeschaut, die man von Bildern als Regenbogentreppen kennt, und uns in einem der Tempel gute Wünsche geben lassen. Weil die meisten Bilder mit der Kamera gemacht wurden, gibt's hier zumindest eine kleine Auswahl.
Fahrradtour 19.-20.01.2025 🔗
Highlights: Mountainbiken durch Ölpalmplantagen, Gummibäumen beim Tropfen zusehen (daraus ist unsere Matratze), ein Kapokbaum (daraus ist meine Bettdecke), spontane Einladung eines Farmers auf Kokosnuss und Ananas, eine Hochzeit auf offener Straße, Makaken, Wasserhühner, Eisvögel, Wasserbüffel und jede Menge Reis in unterschiedlichen Formen auf unseren Tellern. Lowlight: Zelten ohne Matratze - nicht empfehlenswert
Melakka 16.-19.01.2025 🔗
Nachdem jetzt schon "neuer Content" gefordert wird, halten wir uns mal lieber ran.. Melakka richtet den "World Tourism Day 2025" aus, woran wir auch an jeder Ecke auf haushohen Plakaten und blinkenden Neonschildern erinnert werden. Uns gefällt es hier richtig gut und irgendwie gehören der Kitsch, der Lärm, die Gerüche und die Touris, die mit wackelnder Handykamera vor sich herlaufen und alles und jeden filmen, irgendwie dazu. Das Essen ist fantastisch und alleine damit könnte man jeden Tag einen Blogeintrag machen. Heute gab es aber ein selbstgewähltes Fotomotto: es gibt diesmal nur orangefarbene Fotos.
Aufmerksame Betrachter werden auf den Bildern vom 18.01. ein großes Tier finden können:
Singapur 14.-16.01.2025 🔗
Wir sind zeitlich ein bisschen durcheinander, trotz der halb verschlafenen Tage schlendern wir staunend durch Little India, Chinatown, den Botanischen Garten und Gardens Bay. Wir sehen Hähne, Kolibris und die ersten Äffchen und essen Dinge, von denen wir nicht ganz genau wissen, was sie sind. Von Tomatensuppe im Restaurant möchte ich an dieser Stelle abraten, Frühlingsrollen mit Kohl aus der Garküche sind hingegen ein Traum.
Abreise 13.01.2025 🔗
Wir sind dann mal weg! Die Laptops sind eingeschlossen, die Wohnung freut sich auf Zwischenmieter und das Dinner gestern bestand aus den Resten aus Kühlschrank und Speisekammer (Spaghetti mit Tomatensauce, mit Joghurt, Rotkohl und Silberzwiebeln). Bei Minusgraden sind wir mit Hilfe mehrerer Schichten Sommerkleidung übereinander frostfrei am Münchner Flughafen angekommen und freuen uns auf angenehmere Temperaturen und besseres Essen in Singapur.
Auf dieser Seite wollen wir unregelmäßig während unserer dreimonatigen Reise berichten und Fotos teilen. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr ab und zu mal reinschauen und uns dabei ein wenig begleiten.














































































































































































